1. Tag - Anreise
Wir fahren mit dem Zug nach Frankfurt. Wir geben unser Gepäck ab und lassen es gleich nach Shenyang durchchecken. Wir besteigen unser China Air Flugzeug, das die nächsten zwölf Stunden unser Aufenthaltsort ist.
2. Tag - Ankunft in Shenyang
In Beijing angekommen ignorieren wir den Baggage Claim und gehen Richtung Domestic Flights. Wir wollen einchecken und die Dame fragt uns nach unserem Gepäck. "We checked it through to Shenyang!" "No! no! No check through! Fetch it!" Wir hechten zurück zum Baggage Claim, überreden den Wachmann uns durchzulassen und dort stehen friedlich unsere Taschen und warten auf uns. Wir schnappen sie uns - zurück zum Check-In und checken ein. Auf zum Gate. Der Wachmann lässt uns nicht durch. Was ist los? Er hält eine Flughafengebühr-Quittung hoch. Wir gehen also zum Tax-Schalter bezahlen zweimal 50 Yuan Airport-Tax und kommen nun problemlos zu unserem Flug.
Wir werden vom Reiseleiter im Auto begleitet. Er kann etwas Deutsch und ausgezeichnet Englisch. Auf der Fahrt erzählt er uns einiges über Shenyang. Das Hotel ist ein großer alter Bau vor einem großen Platz mit einer gigantischen Mao-Statuengruppe.
Wir ziehen los um uns etwas umzusehen. Beim Versuch die Statuengruppe zu fotografieren müssen wir feststellen, dass unser Zoom-Objektiv nicht scharf stellt - Mist, ist es also doch defekt. Wir gehen die Straße herab, bewundern die Fahrräder in großen Mengen mit großen Lasten, den Schuhmacher, der vor seinem Laden arbeitet und gehen auf der Straße wo der Gehweg verstellt ist.
Wir entscheiden uns für ein Restaurant mit englischer Schrift. Wir werden in ein Separee geführt an einen Tisch mit Tellern, Messer und Gabel und wählen zwei Gerichte aus. Es ist westlich in chinesischer Zubereitung und es schmeckt prima. Nach Bezahlung lasse ich 5 Yuan als Trinkgeld auf dem Tisch und wir gehen. Wir sind 200 m vom Lokal entfernt, als ein starkes Keuchen mit einem atemlosen "Mister! Mister!" ertönt. "Sie haben ihr Geld vergesseb!" und drückt mir meine 5 Yüan in die Hand. Meine Erklärung, die sei ein "Tip!" (Trinkgeld)lässt sie nicht gelten.
Laut unserem Stadtplan ist eine Einkaufsstraße in der Nähe und tatsächlich finden wir schnell eine breite autofreie Straße. Eine Seitenstraße beheimatet an die zehn Fotoläden, aber erstens haben sie seit 17:00 Uhr zu und zweitens scheint es keine Minolta-Geräte zu geben, sondern nur Nikon, Canon, Leica und einige andere. So ziehen wir ohne neues Objektiv zurück ins Hotel.
3. Tag - Kaiserpalast Shenyang
Unser Objektiv funktioniert wieder! Wird wohl ein Wackelkontakt sein. Wir bekommen später heraus, dass es manchmal nicht mehr geht und durch heftiges Klopfen auf die Kamera dann kurzzeitig seine Arbeit wieder aufnimmt. Wir werden in Beijing versuchen ein neues zu kaufen.
Das Frühstück ist sehr chinesisch mit kleinen Hefestückchen, Frühlingsröllchen, Tomaten, Früchten, ...
Frisch gestärkt winken wir ein Taxi heran, ich versuche es mit "Gugong" und er schaut mich verständnislos an. Ich nehme die Lonely-Planet-Seiten und deute auf die chinesischen Schriftzeichen des Kaiserpalastes. "Aaaaah! Gugong!" sagt er und fährt los. Das Zeige-Verfahren bewährt sich später in ganz China. Vor einer abgesperrten Straße hält er an und deutet in die Straße hinein. Ich zahle, was der Taxameter anzeigt und gebe einen Yuan zu, den er freudig überrascht lachend einsteckt.
An der Kasse kaufen wir auch eine kleine Karte des Palastes. Die jungen Palast-Führer-Mädels in ihren "historischen" Kostümen ignorieren uns - ist wohl keine Englisch-sprachige da - uns ist das nur recht, wir haben ja unsere kopierten Zettel.
Der Palast ist beeindruckend. Wir betrachten den ersten Hof mit dem großen Thronsaal, dann den zweiten Hof mit den Pavillions der einzelnen Heeresteile und schreiten dann von Gebäude zu Gebäude bis zum Palastgarten. Den Abschluss bildet dann das Museum mit überwältigenden Ausstellungsstücken.
4. Tag - Abahai-Grab
Heute klappt es mit den Taxis schon ganz gut. Wir zeigen immer unsere Seite aus dem Lonely Planet oder die Visitenkate des Hotels und kommen so problemlos an unser Ziel.
Wir besuchen heute das Grab des Mongolenherrschers Abahai. Er hatte die Voraussetzung geschaffen, für die Übernahme der Regierung in Chinas durch die Qing-Dynastie.
Das Grab ist aber nicht einfach irgend ein einzelnes Monument, sondern beginnt mit einem Park, durch den die Seelenallee führt. Dann kommen mehrere Glockentürme, Lagergebäude und Tempel, bis schließlich am Ende der Grabhügel steht.
Das Wetter zeigt sich leider von seiner schlechten Seite und unser Objektiv benötigt immer wieder einen leichten Schlag mit der Hand, um seine Arbeit wieder aufzunehmen.
Am späten Nachmittag werden wir wieder am Hotel abgeholt und man bringt uns am Bahnhof in einen großen leeren Saal, der eher einer Lagerhalle gleicht, aber der Bahnhof wird auch gerade umgebaut. Unsere Betreuung endet auch hier schon und unsere Begleiter verdrücken sich. Zum Glück finden sich überall nette Menschen, die uns die Richtung zu unserem Schlafwagen zeigen. Wir hatten Glück und haben trotz anderslautender Ankündigungen doch einen Platz in der Polsterklasse anstatt in der Holzklasse bekommen.
Unsere Begleiter im Zug sind ein zwei junge Soldaten auf der Heimfahrt. Wir zeigen Bilder aus unseren Reiseführern, sie zeigen uns, wo sie wohnen. Sie kennen sich mit Deutschland aus. "Benz" ist ein bekanntes Wort, "Volkswagen" hat einen chinesischen Namen. Durch die vor kurzem stattgefundene Weltmeisterschaft in Korea können sie mir mehr deutsche Fussballspieler aufzählen, als ich kenne. "Balaku" und "bekebaue" sind ihnen vertraut, mit "Völler" können sie nichts anfangen.
5. Tag - Die Tempel von Chengde
Wir haben gut geschlafen im Zug und wurden in Chengde am Bahnhof gleich erwartet. Wir kommen in ein modernes Hotel, das nahe aller Sehenswürdigkeiten liegt. Nach einem kurzen Auffrischen stürzen wir aus dem Hotel, vor dem wir auch gleich wieder ein Taxi bekommen. Eine Fahrt von einer viertel Stunde bringt uns für umgerechnet 20 Cent zum am weitesten entfernten der acht um Chengde verteilten Tempel. Der Tempel macht insgesamt einen sehr verlassenen Eindruck und die Pforte ist verschlossen. Also lassen wir uns gleich zum kleinen Potala-Palast weiterfahreb.
Durch einige kleinere Tempel geht es zu dem beeindruckenden Kopie des großen Potala-Palastes von Lhasa in Tibet. Erbaut wurde es zur Beherbung des Dalai Lama, der nach China reisen musste, um sich vom chinesischen Kaiser bestätigen zu lassen. Das schönste sind die Pagoden der 1000 Buddhas und das goldene Dach des Tempels in der Mitte des Hofes.
Auf dem Weg zurück sehen wir, warum es in China so gut wie keine Postkarten zu kaufen gibt. Die Chinesen lassen sich in fantasievollen Kostümen selbst von Fotografen vor den Monumenten aufs Bild bannen. |