Qin-Dynastie (221-202 v.Chr.) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Mario Boller-Olfert   
Freitag, den 09. Oktober 2009 um 14:56 Uhr

Im Jahr 247 v.Chr. folgte Fürst Zheng im zarten Alter von 9 Jahren seinem Vater auf den Thron des Staates Qin. Er besiegte nacheinander die sechs anderen Staaten und gliederte sie dem Staat Qin an. 230 v.Chr. eroberte er Han, 228 v.Chr. Zhao, 225 v.Chr. Wei, 223 v.Chr. Chu, 222 v.Chr. Yan. Mit der Eroberung von Qi im Jahr 221 v.Chr. war die Vereinigung Chinas abgeschlossen und der Fürst nahm den Titel Shi Huangdi an, das heisst Erster Erhabener Göttlicher, oder wie wir sagen, Erster Kaiser. Damit begründete er die Qin-Dynastie.

Doch Qin Shi Huangdi war nicht allein, er stützte sich auf fähige Kanzler. Bis 237 v.Chr war es Lü Buwei und danach der Legalist Li Si. Dieser sorgte für eine straffe Verwaltungsstruktur, mit der das gewaltige Reich organisisert werden konnte. Li Si führte auch ein Rechtssystem ein, dass sich auf sehr harte Strafen für Täter und dessen ganze Familien gründete. Der Kaiser selbst aber stand über dem Gesetz und konnte ohne Begründung beliebig handeln.

Alle adligen Familien wollte Qin Shi Huangdi unter Kontrolle halten. Darum mussten sie alle zur neuen Hauptstadt Xianyang nahe dem heutigen Xian umziehen und ihm dort dienen.

Durch Einführung der Maße und Gewichte des Staates Qin in ganz China, wurde der Warenaustausch erleichtert. Der Kaiser führte runde Kupfermünzen mit quadratischem Loch als Zahlungsmittel ein und vereinheilichte die Schriftzeichen.

"Fruchtlose philosophische Spinnereien" waren dem Kaiser zuwieder und nichts außer Landwirtschaft, Medizin und Wahrsagerei erschien ihm wichtig. Darum lies er den Besitz von Büchern außer dieser Themen unter Todesstrafe stellen und lies im Jahr 213 v.Chr. alle anderen Bücher verbrennen. Bildung sollte es nur noch für angehende Beamte geben. Gelehrte, die ihn kritisierten, lies er töten.

Gewaltige Bauprojekte wurden mit Hilfe von Millionen von Zangsarbeitern durchgeführt, die China bis heute berühmt machen, aber Abertausenden von Chinesen bei den Bauarbeiten das Leben kosteten und das Land verarmen ließen, weil die Felder nicht bewirtschaftet wurden. Die bestehenden Mauern an der Nordgrenze Chinas lies er miteinander verbinden und schuf so die große chinesische Mauer, die das Reich gegen die Barbaren des Nordens, die Xiongnu, verteidigen sollte. Er lies Straßen und Kanäle bauen, um schnell Waren und Soldaten befördern zu können. Riesige Paläste für ihn wurden in der Hauptstadt gebaut.

Qin Shi Huangdi betrachtete sich als den Herrscher der Welt, dem alle Lebenden Wesen Gehorsam schuldig sind und prägte so das Weltbild der Chinesen, für die es nichts außer sie selbst und ihre Vasallen gibt.

Auch über seinen Tod hinaus wollte Qin Shi Huangdi die Pracht seines Hofes nicht missen. Nahe der heutigen Stadt Xian lies er sich einen Palast bauen und darüber einen künstlichen Berg aufschütten. Darum herum lies er Unterstände für Armeen aus überlebensgroßen tönernen Soldaten mit Waffen und Pferden einrichten.

Trotz der intensiven Suche nach dem Traum aller Chinesen, dem ewigen diesseitigen Leben, starb Qin Shi Huangdi im Jahr 210 v.Chr. Ihm folgte sein Sohn und nannte sich Er Shi Huangdi, Zweiter Kaier.

Im Jahr 209 v.Chr. blieb eine Kolonne Zwangsarbeiter im von Unwettern aufgeweichten Boden stecken und mussten als Folge der drohenden Verspätung mit ihrer Hinrichtung rechnen. Sie beschlossen stattdessen Widerstand gegen den Kaiser zu leisten und viele schlossen sich ihnen an, denn das Volk war die harte Fronarbeit in den großen Bauprojekten leid. Der Adel wollte seine frühere Macht wiedererlangen und förderte darum die Aufstände. 208 v.Chr richtete Er Shi Huangdi seinen Minister Li Si hin. Dessen Nachfolger aber kam seiner Hinrichtung zuvor und tötete 207 v.Chr. den Kaiser. Im Jahr 206 v.Chr. war es mit der Qin-Dynastie vorbei und die Han-Zeit begann.

Die heutigen Chinesen haben ein zwiespältiges Verhältnis zu ihrem ersten Kaiser. Einerseits stammt unser Name "China" vom Namen dieser Dynastie und sie ist der Ursprung eines einigen Chinas. Andererseits wird es als eine Dynastie von Barbaren angesehen, die durch ihre unmenschliche Härte viel Leid über das Land gebracht haben.

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 10. Oktober 2009 um 12:02 Uhr