| Tagebuch, Teil 4 - Zurück in den Zentraltälern |
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| Geschrieben von: Mario Boller-Olfert |
| Samstag, den 10. Oktober 2009 um 18:40 Uhr |
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Freitag, 24. November 2000 - In der Stadt
Nach dem Umzug schlendern wir durch die Straßen von Oaxaca in die Innenstadt. Es gibt eine lange Fußgängerzone, die von den meisten Autos auch beachtet wird. Zur großen Freude von Nora gibt es eine internationale Buchhandlung, zu ihrer größten Betrübnis hat sie geschlossen und die Öffnungszeiten sind nicht herauszubekommen. Die Häuser der Fußgängerzone sind groß und repräsentativ und haben teilweise ein Alter bis in die Zeit von Cortes. Das einzige Amt, dass für Cortes abfiel, war ja der Titel des "Grafen von Oaxaca".
Der Zocalo ist sehr schön von Bäumen umstanden und dient auch diversen Kundgebungen vor dem Rathaus. Um den Platz herum gibt es in fast jedem Haus ein Restaurant. Wir gehen weiter und besuchen den riesigen Markt. Es ist wie ein riesiges Kaufhaus, nur dass es jede Abteilung dutzende Male nebeneinander gibt. Wir suchen nach guter Keramik, aber hier gibt es nichts Rechtes. Auf der Straße gibt es Verkäufer, die keinen Stand im Mercado haben, sie bieten auch Chapulines an. Chapulines sehen aus wie Erdnüsse, sind aber von Kopf und Beinen befreite Heuschrecken - eine Spezialität schon im Altertum. Es gibt auch Kakao-Mühlen. Vor dem Geschäft stehen Kisten mit Kakao-Bohnen, innen gibt es Mühlen zum mahlen der Bohnen und an einer Theke kann man verschiedene Sorten von Schokoladensoße kaufen, Mole genannt, die man besonders zu Hühnerfleisch und Rindfleisch isst. Die weiteren Straßen sind nicht weiter interessant und wir wandern wieder Richtung Zentrum. Wir setzen uns in das vom Lonely Planet besonders empfohlene Restaurant und bekommen ein Essen, das scheußlich schmeckt und angebrannt ist. Am Nachmittag besuchen wir das Museum von Oaxaca. Es ist in einem alten Kloster untergebracht und hat mit seinen dicken alten Mauern ein besonderes Flair. Außen nüchtern und abweisend, ist das Treppenhaus verschwenderisch mit Figuren in Stuck und Gold geschmückt. Von einer Bastion des Hauses aus, haben wir einen schönen Blick in den Kakteengarten. Er wird wohl gerade neu angelegt und ist leider zur Zeit nicht zugänglich. Wir konzentrieren uns im Museum auf die Mixteken-Abteilung mit den wundervollen Stücken des berühmten Mixteken-Schatzes. Die Mixteken waren in Mittelamerika die Einzigen, die die Goldverarbeitung beherrschten - die Technik wurde vermutlich aus Südamerika importiert. Die Kolonial-Abteilung durchwandern wir sehr schnell. Draußen ertönt Mariachi-Musik und wir blicken von einer Galerie des Museums auf den Platz außen. Dort werden vier Meter große Figuren in Form von Braut und Bräutigam in einem wilden Tanz über den Platz gewirbelt. Wir werden Zeuge einer besonderen Vorführung aus Anlass einer Hochzeit. Nachdem wir noch etwas herumgeschlendert sind, gehen wir ins Hotel. Der Abend wird sehr laut, denn es erweist sich, dass direkt vor unserem Fenster eine Bushaltestelle ist. Aber irgendwann in der Nacht wird der Betrieb eingestellt, beginnt aber wieder sehr früh am Morgen. Samstag, 25. November 2000 - Monte Alban Am Anfang kommt man gleich zum imposanten Ballspielplatz. Darüber steht eine seltsame Stele, die, wie wir nachlesen einen Jaguar darstellt. Dann klettern wir die gigantisch breite Treppe auf die Nordplattform hinauf. Oben angekommen blickt man gleich auf einen riesigen versenkten Hof mit einem Altar in der Mitte. Von der Pyramide aus hat man einen guten Überblick über den großen eingeebneten Berggipfel mit der sehr symmetrischen Anlage aus vielen Pyramiden, den beiden sogenannten "Strukturen" und dem Observatorium. Noch auf der Nordplattform hat man eine Pyramide ausgegraben, die in ihrem Verhältnis zwischen Talud und Tablero und ihrer Verzierung mit runden Scheiben eindeutig von Teotihuacan inspiriert ist - hat hier die "Botschaft" von Teotihuacan gestanden? Auch einige schöne Pflanzen stehen hier oben. Wir schlendern entlang der Pyramiden an der Ostseite. Die letzte Pyramide ist eher ein Erdhügel mit ein paar Steinbrocken. Sie gibt einen Eindruck, wie fast alle Pyramiden in Mittelamerika aussahen, bevor sie restauriert wurden. Zum Beispiel weiss man von der Sonnenpyramide in Teotihuacan nicht einmal, welchen Winkel ihre Seiten hatten. An der Südplattform sind einige Kopien interessanter Reliefs angebracht. Ich besteige die Plattform und der Blick auf das Tal von Oaxaca und auf Monte Alban mit dem Observatorium im Vordergrund hat den Aufstieg gelohnt, aber hier oben hat sich nur wenig Sehenswertes erhalten. Wieder unten angekommen, gehen wir erst einmal zum Café zurück für eine kurze Pause, dann machen wir weiter, wo wir aufgehört haben. An der westlichen Seite gibt es am Anfang und Ende die beiden "Strukturen", das sind Pyramiden mit einem Hof mit Altar davor, von einer Mauer umschlossen und mit einer Plattform zum Platz hin. Leider kann man sie nicht näher erforschen, aber man sieht sehr gut die eigenartige Talud-Tablero-Konstruktion von Monte Alban. Dazwischen ist der Palast, als einer der interessantesten Gebäude. Außen und in einem Gang unter dem Palast hat man Dutzende von Reliefs der Danzantes gefunden. Die verrenkten, nackten Gestalten, denen zum Teil die Genitalien fehlten, sind aber wohl keine Tänzer, sondern tote Feinde, die man zu ihrer Schande bloßstellt. In der Mitte des Platzes steht ein Komplex aus drei Pyramiden, der durch unterirdische Gänge mit dem Rest der Anlage verbunden ist. Ein pfeilförmiges Gebäude wird als Observatorium bezeichnet, aber seine genaue Nutzung ist noch unklar. Um das Zentrum herum sind große Grabbauten angelegt. Leider können auch sie seit dem letzten Erdbeben nicht mehr betreten werden. Monte Alban war in seiner geplant symmetrischen Gruppierung der Gebäude auf einem eingeebneten Hügel die beeindruckendste Gesamtanlage Mexikos. Wir halten uns noch einige Zeit auf der Café-Terasse auf und blicken über die Bougainvillea auf die Grabanlagen herunter.
Sonntag, 26. November 2000 - Thule, Dainzu, Yagul, Mitla Nach einer ruhigen Nacht in einem neuen Zimmer genießen wir das Frühstück im kleinen lauschigen Café des Hotels. Ich bestelle mir eine Golondrina, eine Schwalbe und bekomme ein Spiegelei, das mit Früchten zu einer Schwalbe dekoriert ist - sehr hübsch anzusehen, aber eine ungewohnte Kombination. Das Hotel ist nach einem mexikanischen melancholischen Lied benannt, in der eine Schwalbe Abschied nimmt von ihrem Liebsten. Heute haben wir eine Fahrt Richtung Westen vor, wo sich wie Perlen in einer Kette mehrere Sehenswürdigkeiten aneinanderreihen. Als erstes kommen wir nach Thule. Eine schöne Gartenanlage, ein Rondell mit Souvenirläden und mehrere Zelte mit Garküchen zeigen an, dass hier häufig größere Mengen von Leuten halt machen. Der Kristallisationspunkt ist der Baum, der vor der Kirche steht. Das es Eintritt kostet, den Baum anzusehen ist verständlich, denn es ist der dickste Baum der Welt und auch einer der Ältesten. Ehrfürchtig umwandern wir den Baum und werfen auch einen Blick in die kleine Kirche. An unserem nächsten Halt fahren wir versehentlich vorbei. Nur ein sehr unscheinbares Schild weist auf Dainzu hin. Dies ist ein eher selten besuchter Ort. Hier gibt es eine Pyramide, die ein Berg ist - die Terassen lehnen sich an einen natürlichen Hügel an. Davor sind noch ein paar Grabanlagen zu sehen. Unterhalb der Pyramide gibt es aber einige sehr alte Reliefs, die Ballspieler und Herrscher abbilden - im Stil den Danzantes von Monte Alban nicht unähnlich. Durch das sicherlich sinnvolle Schutzdach ist das Licht aber so diffus, dass nur schwer etwas zu erkennen ist. Ein Stück weiter liegt Yagul. Auf einem Hügel gibt es mehrere Höfe mit Gräbern und Pyramiden darum herum. Einem großen Ballspielplatz folgt ein Hof mit Versammlungsgebäuden. Ein labyrinthartiger Palast mit vielen verschachtelten Räumen weist noch Reste seiner roten Bemalung auf. Warum man Yagul aber auch unbedingt besuchen sollte, ist seine landschaftliche Schönheit. Man hat einen weiten Blick ins Tal und in der Anlage selbst grünen und blühen Agaven, Saguaros und vielerlei andere Pflanzen. Die Kette wird abgeschlossen durch den Ort Mitla. In mehreren Gruppen liegen hier Höfe, die von Gebäuden umschlossen werden. In eine dieser Anlagen hat man eine Kirche eingebaut. Die Gebäude sind noch in voller Höhe erhalten und sind geschmückt mit Mustern, die aus tausenden einzelner Steine zusammengesetzt sind. Auch einige Gräber kann man betreten. Auf der Rückfahrt sehen wir Reisebusse vor einer Mezqal-Brennerei stehen und mischen uns unter die Mezqal-verkostende Reisegruppe. Wir probieren einen jungen Mezqal und einen alten - sie schmecken uns fast gleich wenig - ein etwas rauchiger Tequila, wie wir finden. Unten in der Flasche ist immer ein Maguey-Wurm, der in der Agave lebt und wer die Flasche leer trinkt, darf den köstlichen Wurm essen. Anscheinend trauen sie ihrem Getränk selber nicht, denn es gibt Mezqal auch aromatisiert mit den Geschmäckern Zitrone, Mango und Tropical. Außerdem gibt es hier nur große Flaschen. Wir fahren zurück nach Thule und kaufen in einem Laden, der 50 Sorten Mezqal anbietet eine kleine Flasche der Standard-Marke "Oro de Oaxaca" um ihn unseren Gästen zuhause zum Probieren anzubieten. Montag, 27. November 2000 - Auf nach Puebla In Puebla nehmen wir uns ein Hotel etwas außerhalb des Zentrums auf einem Hügel - wunderbar ruhig gelegen. Wir beschließen zu Fuß Richtung Innenstadt zu laufen, gehen den Hügel herunter, vorbei an den Chalupas, kleinen Restaurants in einem Grünstreifen. Dann wandern wir weiter bis zur Fußgängerzone mit seinen diversen kleinen Geschäften. An einem großen Warenhaus klettern ein Dutzend vier Meter große Weihnachtsmänner an der Fassade - ein Beispiel für die beginnende Ausschmückung für Weihnachten in Puebla. Ein Stück weiter steht ein typisches Haus im Puebla Stil. Es ist drei Stockwerke hoch, die Fassade mit Tonkacheln und dazwischen kleinen glasierten Kacheln verkleidet und geschmückt mit weißen Stuckornamenten - aber keiner unserer Reiseführer findet es bemerkenswert.
Am Zocalo stehen diverse seltsame Häuser. Die Passage am Rathaus sieht etwas heruntergekommen aus. Die Kathedrale ist hässlich. Wir wollen zur Plaza Santo Domingo, denn da vermuten wir eine internationale Buchhandlung. Versehentlich laufen wir in die verkehrte Richtung, stoßen auf eine neue, aber wild dekorierte Kirche, laufen wieder zurück zum Zocalo und in eine der Straßen in die richtige Richtung. Die Kirche an der Plaza Santo Domingo ist von außen mit bunten Zickzack-Mustern dekoriert. Die Buchhandlung finden wir, aber sie hat geschlossen und ihre Öffnungszeiten sind nicht zu ermitteln. Später kommen wir noch zweimal erfolglos hier vorbei. Wieder zurück am Zocalo essen wir etwas und winken uns dann ein Taxi heran, das uns zu unserem Hotel zurückbringt. Ich bin etwas schlechter Stimmung. Nach den Lobliedern der Reiseführer hatte ich ein besonders schönes geschlossenes Stadtbild erwartet, aber nur hier und da ein schönes Haus gesehen. Dienstag, 28. November 2000 - Tlaxcala und Poblano-Kirchen Wir fahren nach Tlaxcala, einem Ort, der in der Geschichte von Mexiko eine wichtige Bedeutung hat. Cortes hätte wohl niemals die Azteken besiegt, wenn die Tlaxcalteken sich nicht mit ihm verbündet hätten. Nach einigen Problemen mit dem Straßengewirr von Puebla sind wir schnell bei Tlaxcala. Wir suchen aber gleich die außerhalb des Stadtzentrums liegende Kirche Ocotlan auf.
Die Kirche San Francisco in Ocotlan ist die wohl schönste Kirche Mexikos. Die Fassade ist ganz mit Tonkacheln verkleidet. Der Bereich oberhalb der Tür und die Türme sind mit weißen Figuren und Ornamenten bedeckt. Besonders erwähnt wird im Reiseführer auch die Schmiedearbeit der die Türme bekrönenden Kreuze. Leider sind wir nicht zur richtigen Zeit für Fotos hier, denn die Fassade liegt im Schatten. Wir fotografieren die Kirche von hinten und fahren in das Zentrum von Tlaxcala. Die Innenstadt von Tlaxcala besteht aus mehreren miteinander verbundenen Plätzen. Vor dem Justizgebäude steht eine besonders gute Skulptur des Staatswappens von Mexiko: Ein Adler sitzt auf einem Kaktus und frißt eine Schlange. Mit der großen leuchtend gelben Kirche im Hintergrund und den Grünanlagen drumherum ergibt sich ein beeindruckendes Bild. Dann gehen wir zum kleinen Platz vor der Kirche und weiter zum Rathausplatz, dem Zocalo. Hier steht ein kleines Gerichtsgebäude mit einer großen Uhr und das schöne Rathaus. Das Rathaus ist der Grund unseres Kommens. Das Innere des Rathauses ist in jahrzehntelanger von einem Indigena-Künstler mit Szenen aus der Geschichte Mexikos und insbesondere Tlaxcalas in prächtigen Szenen und Farben ausgemalt worden. Hier ist auch die Geschichte eines Kriegers der Tlaxcalteken erzählt, der von den Azteken gefangengenommen wird und in einem rituellen Zweikampf so tapfer ist, dass die Azteken ihn zu ihrem General ernennen. Als er Jahre später in einen Feldzug gegen Tlaxcala ziehen soll, zieht er den Tod vor. Im oberen Stockwerk ist in einfacherer Malweise die Versklavung der Indigenas durch die Spanier dargestellt. Der Zocalo ist eine besondere Schau. In allen Beeten sind Figuren als Weihnachtsdekoration aufgebaut und man beginnt gerade damit überall Glocken aus Flitterkram aufzuhängen. Am wildesten fanden wir einen Schlitten mit dem Weihnachtsmann, der von einem Rentiergespann gezogen wird, einschliesslich Rudi, dem Rentier mit der roten Nase - das ganze steht in einem Beet mit blühenden gelben Taglilien.
Vom Zocalo kommt man auf einen weiteren Platz, der außer einer Statue des Tlaxcala-Kriegers sonst nichts weiteres Interessantes enthält. Wir essen etwas in einem Restaurant am Zocalo - die Soßen sind besonders gut, aber das Fleisch ist zäh. Es dämmert bald und unser Ausflug ist für heute beendet. Mittwoch, 29. November 2000 - Ein Tag in Puebla Wir machen ein paar Fotos der Casa de Alfeñique, dem Zuckerbäckerhaus, sehen aber, dass das Licht noch nicht optimal ist. Deshalb wandern wir weiter und sehen uns einige Höfe der Universität an. Gegenüber des Rathauses steht die Casa de los Muñecos, sie ist mit seltsamen Figuren verziert, die dem Mythos nach Karrikaturen der Stadtoberen sein sollen, weil sie die Hausbesitzer verklagten, denn ihr Haus überragte das Rathaus. Wir kehren zur Casa Alfeñique zurück und fotografieren es im schönsten Licht. Wir schlendern noch durch die Straßen hinter der Kathedrale, wo es auch eine Reihe schöner Häuser gibt. Schließlich finden wir auch die Casa del Dean, das Haus des Dekans. Hinter dem Renaissance-Portal der ansonsten schlichten Fassade erwartet den Besucher etwas besonderes. Vor wenigen Jahren hat man unter dem weißen Verputz der Räume wundervolle alte Wandmalereien aus dem 16. Jahrhundert gefunden. Im ersten Raum wird der Triumph der Kirche über die Synagoge dargestellt, ausgeschmückt mit Tieren und Pflanzen Mexikos und mit weiteren Figuren der Neutestamentlichen Geschichte. Im zweiten Raum wird das Gedicht "Der Triumph" von Vergil dargestellt, in dem der Triumph des Todes, der Liebe und andere über die verschiedendsten Menschen versinnbildlicht wird.
Abschluss unserer Stadttour bildet ein Besuch im besten Restaurant der Stadt mit mexikanischen Spezialitäten, wie wir sie nirgends sonst in Mexiko genossen haben, ich esse ein Schweinefilet mit Früchten. Donnerstag, 30. November 2000 - Cholula Schließlich fahren wir nach Acatepec und nehmen die Kirche von außen auf. Ein sehr eifriger Küster achtet mit Argusaugen darauf, dass man keine Aufnahmen vom Inneren der Kirche macht.
Wir fahren wieder nach Cholula und klettern auf den großen Hügel. Es ist eigentlich die größte Pyramide der Welt, aber die Spanier haben dies dem Erdhügel nicht angesehen und errichteten eine große Kirche darauf. Die Kirche ist gerade wegen Renovierung gesperrt. Eine ganz andere Ansicht dieser Pyramide bietet der Tunnel, der von Archäologen durch die Pyramide gebaut wurde. So kann man Teile der verschiedenen Bauphasen sehen, z.B. aus der Bauphase, in der der Tempel rundum durch Treppen zu besteigen war. Wir sehen uns dann die archäologische Anlage mit den weitläufigen und gigantischen Fundamenten der mehreren Bauphasen des Stadtzentrums an. Einen Eindruck von der riesigen Anlage gibt auch der wiederaufgebaute Treppenaufgang der Pyramide. Das Museum ist auch sehr sehenswert, man kann hier eine aufgeschnittene Ansicht der Pyramide im Modell ansehen, sieht Beispiel der vielfarbigen Keramik des alten Cholula (der Herrscher der Azteken verwendete ausschließlich Geschirr von hier) und kann Rekonstruktionen der interessanten Wandgemälde sehen, die man im archäologischen Bezirk fand. Auf der Rückfahrt machen wir halt in Tonantzintla, einem kleinen Ort mit einer beeindruckenden Kirche im bunten Poblano-Stil, bei der auch die überbordenden Stuckdekorationen im Innern erhalten sind, die von Indigenas geschaffen wurden. Wir fahren auch kurz nach Acatepec zurück, um das etwas bessere Licht zu nutzen. An diesem Abend essen wir etwas in den Chalupas, dem kleinen Restaurant nahe unserem Hotel. Freitag, 1. Dezember 2000 - Cacaxtla Heute führt uns unser Weg wieder in die Nähe von Tlaxcala. Wir besuchen die archäologische Stätte von Cacaxtla. Hier hat eine kleine Gruppe ein ansässiges Volk besiegt und es dann regiert. Neben der sehr interessanten Gesamtanlage sind hier die gut erhaltenen Wandmalereien sehenswert. Es gibt eine Wand mit einer roten religiösen Malerei und zum Hauptplatz ein langes hohes Fries, dass den Sieg der Ortsansässigen über einen Angreifer darstellt. Dieses Gemälde wurde in einer späteren Bauphase überbaut und blieb deshalb erhalten. Das angeschlossene Museum hat auch einiges an interessanten Stücken zu bieten, unter anderem Werkzeuge aus Osidian - dem vulkanischen Glas, das besonders hart ist. Ohne allzu große Erwartungen haben wir das kleine Restaurant am Ausgrabungsort betreten. Schon die Speisekarte sah interessant aus und was der Besitzer dann daraus machte, war ein Gedicht. Als Hauptgericht hatte ich Lammfleisch, dass mit Gemüse in einer Pergament-Verpackung gegart war - herrlich würzig und zart. Als Nachspeise haben wir einen Karamelpudding mit Amarant gegessen. Amarant ist ein Getreide und wurde schon von den alten Völkern Mittelamerikas angebaut. Der Wirt deutete auf ein Stück Land vor dem Fenster und sagte, unser Amarant stamme von dort drüben. Es hatte die Konsistenz von knusprigem Puffreis. Wir machen noch einmal einen Abstecher nach Ocotlan und nehmen Bilder der Kirche in gutem Licht auf. Nicht weit davon ist ein riesiger Supermarkt, in dem wir ein großes Glas Mole und einige mexikanische Knabbereien kaufen. Samstag, 2. Dezember 2000 - Ein letztes Mal Puebla Wir wandern den Berg hinauf und geraten in eine riesige Ansammlung von jubelnden Menschen. Aus den Lautsprechern dröhnen die politischen Ansprachen der neuen Regierung. Wir erfahren später, dass auch Präsident Vicente Fox in Mexiko City eine 18-stündige Antrittsveranstaltung geben musste - ein guter Gesundheitstest. Wir besuchen das archäologische Museum hier oben, das erstaunlicherweise sogar offen ist. Teils mag es auch am Dröhnen der Lautsprecher von draußen, teils an unserer allgemeinen Erschöpfung gelegen haben, aber das Museum mit seinen wenigen guten Stücken, seiner schummrigen Beleuchtung und chaotischen Beschriftung hat uns überhaupt nicht gefallen. Trotz des horrenden Eintrittspreises verlassen wir es sehr schnell wieder. Im Hotel findet auch eine Veranstaltung statt und wir werden nicht einmal auf den Parkplatz gelassen. In der Stadt besuchen wir noch die bisher ausgelassene Kirche Santo Domingo mit ihrer prachtvollen goldglitzernden Capilla Rosario. Am Abend sitzen wir gemütlich bei guten zwanzig Grad in der Chalupa und genießen ein letztes mexikanisches Essen. Ich probiere endlich Chiles En Nogada, das sind mit Fleisch gefüllte Chilis mit einer Sahne-Nuss-Soße und Granatapfelkernen. Sonntag, 3. Dezember 2000 - Adios, Mexiko Im Flughafen gibt es ein Restaurant und dort haben wir unsere vorletzten Pesos auf den Kopf gehauen. Ich hatte wieder Fleisch mit Soßen - das Fleisch war schön zart, aber die Soßen ungenießbar. Im Flugzeug bekomme ich einen Fensterplatz und mache noch ein paar letzte Bilder aus dem Fenster heraus. Dann beginnt der quälend lange Rückflug. Erst am nächsten Tag kommen wir in München an bei Minusgraden und Schneegestöber - eine herbe Begrüßung, nachdem wir am Tag vorher noch draußen sitzen konnten. Jetzt beginnen einige arbeitsame Monate, in denen wir unsere 1500 Dias erst auf 960 reduzieren, diese dann nummerieren, in einer Datenbank jedes Dia beschreiben und 200 Dias für drei Diaabende zusammenstellen. Den Abschluss unserer Mexiko-Reise bildet jetzt diese Website, in der ich alle Erfahrung und alles Wissen aus unserer Reise zusammengetragen habe. Über einen Kommentar von Dir im Forum würde ich mich sehr freuen. Adios |



