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Mexiko - Reisebericht
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Geschrieben von: Mario Boller-Olfert
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Samstag, den 10. Oktober 2009 um 18:32 Uhr |
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Karte von Nord- und Mittelamerika: Der Ausschnitt der nächsten Karte ist durch einen Rahmen gekennzeichnet. 
Rundreise: Von Mexico City bis Palenque
Karte mit Reiseroute: 
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Geschrieben von: Mario Boller-Olfert
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Samstag, den 10. Oktober 2009 um 18:34 Uhr |
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2.11.2000 bis 5.12.2000 = 29 Tage + 3 Flugtage = 32 Tage
| Tag |
Aktivität |
| 1. |
Flug München->Mexiko-City, Übernahme des Mietwagens |
| 2. |
Mexiko City: Zona Rosa, Casa de Azulejos, Kirche, Zocalo, Nationalpalast, Sagrario Metropolitan, Templo Mayor mit Museum. |
| 3. |
Besichtigung Teotihuacán, 1,5 Stunden je Richtung |
| 4. |
Herrenhäuser, Museo Frida Kahlo, Universität (Bücherturm) |
| 5. |
Museo Nacional de Archeologico |
| 6. |
Besichtigung von Tula, 2 Stunden je Richtung |
| 7. |
Besichtigung der archäologischen Stätte Xochicalco, 2 Stunden je Richtung |
| 8. |
Mexiko City: Vormittags: Reforma, Alameda Park, Museo Bellas Artes. Nachmittags: Kirche, Plaza, Plaza Garibaldi |
| 9. |
Reise von Mexiko-City nach Papantla, 260 km, 5 ½ Stunden |
| 10. |
Besichtigung von El Tajin |
| 11. |
Reise von Papantla nach Jalapa, 290 km, 5 ½ Stunden. Besichtigung der archäologischen Stätte von Zempoala |
| 12. |
Museum von Jalapa |
| 13. |
Fahrt von Veracruz nach Villahermosa, Ausflug zu den Wasserfällen vom Agua Azul und Misol-Ha |
| 14. |
Besichtigung Villahermosa, Park La Venta, Museum im CICOM |
| 15. |
Fahrt von Villahermosa nach Palenque, 150km, 2 ½ Stunden, Ausflug Agua Azul, Misol-Ha |
| 16. |
Besichtigung archäologische Stätte von Palenque |
| 17. |
Fahrt von Palenque nach San Christobal de las Casa |
| 18. |
Besichtigung San Christobal de las Casa |
| 19. |
Besuch des Indianermarktes von San Christobal, Fahrt von San Christobal nach Tuxtla Guttierez 294 km, 6 Stunden |
| 20. |
Canyon El Sumidero |
| 21. |
Besichtigung des Zoos von Tuxtla Guttierez |
| 22. |
Fahrt von Tuxtla Guttierez nach Oaxaca, 550 km, 10 Stunden |
| 23. |
Besichtigung Oaxaca, Museo Regional(Schatzfunde aus Monte Alban) |
| 24. |
Besichtigung Monte Alban |
| 25. |
Baum in El Tule, Besichtigung Dainzú, Yagul und Mitla |
| 26. |
Fahrt von Oaxaca nach Puebla, 320 km, 4 ½ Stunden |
| 27. |
Kirche in Acatepec, Kirche von Ocotlan, Besichtigung von Cacaxtla |
| 28. |
Besichtigung Puebla |
| 29. |
Besichtigung der Stadt Tlaxcala (Zocalo, Murales im Rathaus) |
| 30. |
Besichtigung Cholula: archäologische Stätte, Museum, Aussicht auf den Popocatepetl und Izcaihuatl. |
| 31. |
Rückfahrt von Puebla nach Mexiko City und Rückflug |
| 32. |
Ankunft in München |
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Tagebuch, Teil 1 - Mexiko Stadt und drumherum |
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Geschrieben von: Mario Boller-Olfert
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Samstag, den 10. Oktober 2009 um 18:36 Uhr |
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Donnerstag, 2. November 2000 - Die Ankunft Nach einem qualvoll langen Flug waren wir froh, uns wieder entfalten zu können. Das Gepäck kam schon bald über das Förderband an. Jetzt mussten wir erst einmal zu etwas Geld kommen. Nora bewachte die Koffer ich stellte mich am belagerten Geldautomaten an. Der Geldautomat erwies leider als Automat für Taxigutscheine, aber am Schalter einer Wechselstube konnte ich zwei meiner $-Reiseschecks einlösen. Nur wenige Schritte weiter war das Büro der Hertz-Autovermietung. Mit meinen wenigen Spanisch-Brocken und dem kompletten Fremdsprachenunverständnis der netten Dame kamen wir nicht weiter, aber wir wurden in einen Kleinbus verladen und zur nahegelegenen Mietstation gebracht. Dort sprach man gut Englisch und wir versuchten unsere Probleme zu klären. Es war alles "No problem, Sir". Der Mietwagen durfte in Mexiko-City am Freitag (unserem Abfahrtstag aus Mexiko City) nicht fahren, sollte aber am nächsten Morgen (einem Freitag!?) 9:00 ausgewechselt werden. Also Papiere ausgefüllt, Koffer verladen und in mittlerweile finsterer Nacht ging die Fahrt los. So fuhren wir den Periferico entlang, landeten fast auf der Schnellstrasse nach Queretaro und kehrten um. Schließlich fanden wir die richtige Ausfahrt nahe des Flughafens, fuhren den Paseo de la Reforma bis zum Friedensengel entlang und nach nur kurzer Suche fanden wir auch unser Hotel in der Zona Rosa. Der Wagen wurde von einem Chauffeur im Parkhaus geparkt, die Koffer ins Zimmer im 6. Stockwerk gebracht, wir fielen ins Bett und verbrachten unsere erste Nacht in Mexiko.
Freitag, 3. November 2000 - Mexiko City vom Hotel bis zum Zocalo Im Bad standen zwei Plastikflaschen mit Wasser zum Zähneputzen und Trinken. Wir machten unsere Morgentoillette und begaben uns ins Restaurant. Es erwartete uns ein Buffet mit einer riesigen Auswahl an warmen, leckeren, mexikanischen Speisen und Berge von Früchten. Wir ließen es uns schmecken. Der Ober kam und wollte kassieren. Wieso? Hatten wir nicht in Deutschland Frühstück gebucht? Nun, das klären wir noch. An der Rezeption bekam ich die Nummer der Vertretung des Reiseveranstalters und rief vom Zimmer aus dort an. "No problem, Sir!" erfuhren wir dort. Als aber bis 10:15 noch niemand von der Autovermietung da war, beschlossen wir nicht länger zu warten und in die Stadt zu gehen.
Die Zona Rosa ist ein Vergnügungsviertel mit Bars, Restaurants und Diskos, dann ging es weiter durch Wohnviertel bis zu einem kleinen Park, der Ciudadela. Dort bogen wir Richtung Paseo de la Reforma ab und bestaunten das gigantische Denkmal von Benito Juarez. Weiter Richtung Zocalo kommt man am 141 m hohen Wolkenkratzer, dem Torre de Latinoamerika vorbei, der durch sein schwimmendes Fundament noch jedes Erdbeben überstand. Gegenüber liegt das Palais de Bellas Artes, das durch sein gigantisches Gewicht langsam im weichen ehemaligen Seeboden versinkt. Ein kleines Stück weiter liegt links die Casa de Azulechos, die durch ihre tausenden von Kacheln in der Sonne funkelt. Gegenüber sieht man die älteste Kirche von Mexiko City, die im churriguresken Stil erbaut wurde.
Am Zocalo angekommen liegt ein gigantisches Feld von Gräbern vor uns, die überragt werden von einem turmartigen Tzompantli, einem Schädelgerüst. Einige Tribünen sind aufgebaut, auf denen Pappmaschee-Skelette lustige Szenen darstellen. Ein überdachter Gang beherbergt Opferbrote in den verschiedensten Mustern und Tierformen. Daneben zelebrieren einige Indigenas geheimnisvolle Riten mit viel Tamtam und Weihrauch. Wir sind am Tag nach den Tagen der Toten angekommen und bekommen so die Reste dieses Festes mit. Wir besuchen noch die Kathedrale von Mexiko-Stadt, die ebenfalls im Untergrund versackt und dabei droht auseinander zu brechen. Deshalb wird man die Gerüste in seinem Innern wohl auch nie wieder abbauen.
Nach einem mexikanischen Mittagsmahl mit Tortillas, scharfen Soßen, der ersten Mole und den unvermeidlichen Refried Beans, kehren wir zum Zocalo zurück. Nachdem wir die 220 Meter lange Fassade des Palacio Nacional, also des Regierungsgebäudes von Mexiko bestaunt haben, betreten wir den Palast. Am Eingang müssen wir bei Soldaten unsere Reisepässe abgeben und betreten die Welt des Malers Diego Rivera. Er hat das Treppenhaus und die Galerie des ersten Stocks mit Gemälden zur Geschichte Mexikos bedeckt. Nach den schönen, sanften und guten Indigenas kommen die hässlichen, raffgierigen und bösen Leichenweißen. Doch die Wandmalereien ziehen uns doch in ihren Bann. Nach weiterer Besichtigung der Höfe mit dem Kakteengarten wandern wir langsam wieder Richtung Bellas Artes. Wir winken uns eines der Käfer-Taxis heran und kommen wieder in unserem Hotel an. Man sagte uns, Herr Gomez von der Hertz-Autovermietung habe um 11:20 Uhr angerufen, aber wir erreichen ihn nicht. Erschöpft sinken wir wieder ins Bett. Dort lagen auch schon unsere Frühstücks-Gutscheine.
Samstag, 4. November 2000 - Teotihuacan Im Zimmer stehen zwei neue Wasserflaschen
Unsere Autofahrt führt uns quer durch Mexiko-City. An einer Stelle hat die Straße acht Spuren, von denen mittendrin einige wieder verschwinden. Wir landen auf der verstopften Landstraße nach Teotihuacan, wenden kriminell. Da ist die Zufahrt zur Autoquota. Wir kommen an ein Häuschen und müssen 10 Peso zahlen. Danach sind wir wieder auf der Landstraße. Kehren, wieder auf die Zufahrt. nirgends eine Abzweigung und landen wieder am Häuschen. Der Herr erklärt uns, wir hätten quer über zwei stark befahrene Spuren der Autoquota fahren müssen, aber jetzt kassiert er erst einmal erbarmungslos. Bei unserer nächsten Runde schaffen wir es auf die Autoquota nach Teotihuacan und zahlen ein Stück weiter zum dritten Mal.
Vorbei an Touristenkiosken kommen wir zum Tempel des Quetzalcoatl. Wir bestaunen die großartige Harmonie der kleinen Pyramiden auf dem umlaufenden Wall. An der Hauptpyramide geraten wir ganz aus der Fassung - die Federschlangen und Tlaloc-Köpfe sind mit das schönste, was Mexiko zu bieten hat. Im Palast im Tempel sehen wir einen der letzten Bewohner - ein Karnickel.
Wir rüsten uns mit einer Wasserflasche im Restaurant aus und ich hole mir eine Mütze gegen die Sonne. Dann gehen wir die Straße der Toten hinauf, von einem Hof zum Anderen und besuchen jeden Palast an ihren Seiten. Einige Händler bieten ihre durchaus geschmackvollen Waren an, z.B. Tonpfeifen, Jadeketten und prächtige Obsidian-Skulpturen. Sie werden aber nicht wirklich lästig wie im Orient.
Ein Gebirge aus Stein ragt vor uns auf. Da stehen wir nun vor dem drittgrößten von Menschenhand erschaffenen Bauwerk (nur die Cheopspyramide und die Pyramide von Cholula enthalten mehr Masse). An den Seiten ziehen sich Schlangenmauern die Schrägen hinauf. Die Treppenanlage ist gigantisch und ich klettere unter Keuchen die vielen steilen Stufen hinauf. Der gigantische Blick auf die Straße der Toten und die Sonnenpyramide ist es wert.
Die Mondpyramide lassen wir links liegen und wenden uns dem Palast des Quetzalpapalotl und dem Palast der Jaguare zu. Hier ist es besonders der Hof mit den Adlern an den Säulen und die hervorragend erhaltenen Fresken, die den Besuch lohnen.
Auch das Museum hier hat eine Sammlung besonders interessanter Stücke. Zu den für mich beeindruckendsten Teilen gehören die Menschenopfer und eine typische Teotihuacan-Jademaske mit flacher, breiter Nase.
Nach der Rückkehr essen wir ein wenig und träumen von den vielen Eindrücken.
Sonntag, 5. November 2000 - Polizei und Kunst Nachdem wir schon in den letzten Tagen Herrn Gomez von der Hertz-Autovermietung nicht erreicht haben, erbarmt sich eine Dame von Hertz und sagt, wir sollen unser jetziges Auto bei der Vermietstation nahe unseres Hotels zum Umtausch vorbei bringen. Ich tanke das Auto auf und wir fahren los. Trotz mehrfachem Umrunden des vermutlichen Häuserblocks unterläuft mir ein Fehler und ich sehe nicht den abgefahrenen Pfeil auf der Fahrbahn, der mir zeigen sollte, dass ich gerade in eine Einbahnstraße in falscher Richtung fahre. Also nichts wie raus aus der Straße, aber die Polizei hat mich entdeckt und ich fahre an die Seite und steige aus. Mit meinen paar Brocken Spanisch und Händen und Füßen verständigen wir uns. Das soll mich 1200 Peso kosten, etwa 300 Mark. Ich nehme mein Portmonee, nehme einen 200 Peso-Schein heraus (ich habe gerade nichts kleineres), drehe ihn verzweifelt in den Fingern hin und her und mache ihm klar, dass ich nicht mehr besitze. Der Polizist sieht sich auffällig unauffällig um, greift sich den Schein und sagt, damit soll es dann gut sein. Wir fahren weiter, finden eine der anderen Hertz-Stationen. Ein Wagen zum Tausch muss erst vom Flughafen geholt werden. Nach langem hin und her einigen wir uns, dass wir nicht wieder im Hotel warten, sondern am Abend des übernächsten Tages vorbeikommen.
Die U-Bahn bringt uns mit einmaligem Umsteigen bis zur Station Bellas Artes. Nach ein paar Schritten sind wir beim Palacio de Bellas Artes, also dem Palast der schönen Künste. Er beherbergt ein Theater und Werke bedeutender Muralisten - die Bezeichnung kommt von "Mural", also Wandmalerei. Die Werke sind nicht immer schön, manchmal von ihrem Inhalt von einem heute rührend naiv anmutendem Kommunismus, aber immer beeindruckend. Alle bedeutenden Vertreter sind hier ausgestellt Orozco, Siqueiros, Rivera, ... Das Theater ist in prächtigem Jugendstil erbaut mit einer gigantischen Glasdecke, die von Tiffany hergestellt wurde.
Wieder draußen schlendern wir durch den nebenan liegend Alameda-Park. Es ist Sonntag und die Mexikaner zieht es in ihre Parks. Es herrscht eine Jahrmarkt-Atmosphäre in der Eltern mit ihren Kindern an den hunderten von Spielzeug- und anderen Verkäufern vorbeiziehen und sich und den Kindern die eine oder andere kleine Freude gönnen. Liebespaare halten in dem Gewühl die Bänke besetzt, Luftballon-Verkäufer scheinen fast mit ihren hunderten Luftballons davonzufliegen.
Bei der nächsten U-Bahn-Station steigen wir wieder ein und fahren hinaus Richtung Coyoacan - übersetzt ist das der Stadtteil der Kojoten. Eine kleine aber feine Einkaufszentrum zeigt gleich an, dass wir es hier nicht mit einem der Slums zu tun haben. Wir versuchen uns an unserer Straßenkarte zu orientieren, aber es gelingt uns nicht. Auch das Haus, in dem Leo Trotzki wohnte und wo er schließlich ermordet wurde finden wir nicht, denn die Hausnummern steigen und fallen wie die Aktienkurse an der Nasdaq.
Wir wählen eine beliebige Seitenstraße und schließlich finden sich auch Schilder, die auf das Museum Frida Kahlo hinweisen. Das in tiefem Blau gestrichene Haus ist nicht zu übersehen. Leider müssen wir an der Garderobe auch unsere Kamera abgeben und können nicht versuchen die einmalige Atmosphäre des Hauses einzufangen. Es war das Haus ihrer Eltern, in dem sie einige Jahre mit ihrem Mann, dem Maler Diego Rivera verbrachte und in dem sich auch über lange Zeit ihr eigenes Atelier befand. Sie ist eine der interessantesten Künstlerpersönlichkeiten, eine beeindruckende Malerin. Das Haus spiegelt mit den leuchtend gelb gestrichenen Möbeln ihre trotz ihrer schweren Krankheit immer fröhliche Natur wieder. Viele Skizzen, Fotos und so manches Nippes-Stück erzählen von ihrem Leben. Der verwunschen wirkende Garten vermittelt eine melancholische Stimmung.
Wir durchstreifen noch weiter die Straßen von Coyoacan mit ihren schönen Villen, heute teilweise auch von Botschaften bewohnt. Im Zentrum stoßen wir auf den Markt, der auch heute, am Sonntag, von Leben überquillt. Alles vom Schuhband bis zur Stereoanlage ist an den kleinen nach Waren geordneten Ständen zu bekommen. Auch eine Garküchen-Abteilung gibt es, in der mexikanisches Essen frisch gekocht wird.
Wir haben etwas die Orientierung verloren, finden auch das Haus Diego Riveras nicht mehr und beschließen zurückzufahren, denn unsere Füße melden, dass es für heute genug ist. In der U-Bahn stehe ich vor der Tür, weil ich nächste Station aussteigen will. Da spüre ich eine Hand in meiner Hosentasche, wo meine Geldbörse steckt. Meine Hand fährt zur Hosentasche, die andere Hand verschwindet und hinter mir steht ein Mann mit einem Mantel über dem Arm (bei der Wärme draußen), der unschuldig aus dem Fenster blickt.
Montag, 6. November 2000 - Nationalmuseum Im Zimmer stehen zwei neue Wasserflaschen
Wir nutzen ein Sammeltaxi, um für 1 1/2 Peso Richtung Nationalmuseum zu fahren. Beim Park Chapultepec steigen wir aus und laufen das letzte Stück.
Ein sehr großer Teil des Museum wird renoviert, aber mehr hätten wir sowieso nicht geschafft. Wir sehen uns die kleine Olmeken-Sammlung an, halten uns dann ewig bei den hunderten von Stücken der Azteken auf. Die Sammlung ist überwältigend.
Zwischendurch genießen wir die "gemütliche" Atmosphäre des Museums-Restaurants, begnügen uns dort aber mit einer warmen Coca-Cola und einem Omelett
Zum Abschluss schlendern wir an einigen Scherben der Zapoteken und Mixteken entlang. Besonders interessant ist das im Keller wieder aufgebaute Mixteken-Grab.
Wir sind fix und fertig. Nehmen ein Sammeltaxi bis Chapultepec und fahren von dort mit der U-Bahn bis zu unserem Hotel.
Dienstag, 7. November 2000 - Tula Im Zimmer stehen keine neuen Wasserflaschen. Auf Nachfrage an der Rezeption sagt man uns, es gäbe nur am 1.Tag Wasser und wir könnten ja welches aus der Minibar kaufen (Preis: läppische 4 Mark der halbe Liter). Da wohnen wir für 280,- DM pro Nacht im teuersten Hotel unserer Reise und das Hotel versucht auch noch bei einer Flasche Wasser abzuzocken, die man in jedem Laden für ein paar Groschen bekommt - alle späteren Hotels waren da nicht so knausrig.
Die Fahrt nach Tula verläuft ereignislos. Das Museum ist nicht uninteressant, aber kaum beschriftet. Hier wird erzählt, dass der Ort lange bewohnt war und das eine Gruppe von Tula-Tolteken bis nach Chichen Itza in Nord-Yucatan zog, wie sich am Baustil zweifelsfrei ablesen lässt.
Über einen landschaftlich schönen Weg geht es zur Ausgrabungsstätte, vorbei auch an Souvenirhändlern, denen ich einen kleinen Onyx-Atlanten als Mitbringsel für meine Mutter, einen kleinen Führer und ein paar Postkarten abnehme.
Auf einen Ballspielplatz folgt eines der zwei Prachtstücke von Tula: Die Schlangenmauer. Hier fressen drachenähnliche Schlangen menschliche Gerippe. An der Wand der Pyramide gibt es auch noch Reliefs von Adlern, Jaguaren und Kojoten zu sehen.
Nach einem Rundgang durch den Palast und über den Hof, nehmen wird die Pyramide in Angriff. Die riesigen Atlanten sind überwältigend.
Auf der Rückfahrt, nahe bei Tula kehren wir in einem großen Gasthaus ein. Neben einem sehr guten Essen schütte ich literweise hausgemachte Zitronenlimonade in mich hinein - was mir nicht bekommen sollte.
Jetzt muss das Auto getauscht werden, deshalb muss ich den Wagen wieder volltanken. Ich sage also "Lleno", was "voll" heisst. Der Tankwart stellt "10 Peso" ein, ist nach Sekunden fertig und stellt die Säule zurück. Ich wiederhole "No, Lleno!". Ah, er hat verstanden und quetscht für 110 Peso Benzin in den Tank. Er hält die Hand auf und verlangt 210 Peso für die beiden Tankvorgänge. Ich lasse mich nicht beirren und bestehe darauf, dass bei uns 10 + 110 gleich 120 ist. Nach etwas hin und her gibt er zu, dass es nicht 100, sondern 10 Peso waren und gibt sich mit seinen 120 zufrieden. Der Umtausch geht problemlos, ich bekomme ein Auto mit normaler Schaltung und auf Nachfrage auch ein Warndreieck.
Mittwoch, 8. November 2000 - Xochicalco Heute führt uns der Weg nach Westen, zur Ruinenstätte von Xochicalco. Das Museum ist hypermodern, nur die deutsche Reisegruppe mit ihrer Führerin und ihrer schrillen Stimme nervt. Ihre erschöpfenden Erklärungen: "Die Sonne, der Mond, große Götter, Ritual, sehr interessant" beeindrucken uns. Aber nach einer viertel Stunde ist dieser Spuk vorbei. Ansonsten ist das Museum sehr informativ und wir lernen einiges über Dachkonstruktionen, Talud-Tablero-Architektur an verschiedenen Orten, Keramik-Techniken und kultische Bedeutung von Meerestieren.
Die Ausgrabungstätte ist gigantisch, es gibt mehr zu sehen als in Tula und sogar als in Teotihuacan. Mehrere immer höher gestaffelte Höfe mit Eingangsbauten und umgeben von Pyramiden, ein Palast und/oder Observatorium, mehrere Ballspielplätze, eine Rampe mit Tierreliefs, eine Sauna und noch einige Pyramiden. Das berühmteste Gebäude ist sicherlich der Tempel der gefiederten Schlange mit ihren prächtigen Schlangen- und Priesterreliefs. Außerdem gibt es hier Schriftzeichen und Kalenderzeichen von Mixteken und Maya. Sie scheinen auf ein Treffen von Astronomen hinzuweisen, bei dem im Mixtekischen Kalender 28 Tage ausgelassen wurde, um die Kalender zu synchronisieren und das Jahrhunderte vor unserem Papst Gregor.
Überhaupt ist dieser Ort ein Schmelztiegel der Kulturen gewesen, an dem der Einfluß vieler mesoamerikanischer Kulturen zu einem eigenen Stil verschmolzen ist.
Donnerstag, 9. November 2000 - Abschied von Mexiko City Heute wollen wir noch einmal die Stadt erwandern, von der wir auf dieser Reise wohl nicht alles sehen werden. Der Platz der drei Kulturen, mehrere Museen und die schwimmenden Gärten von Xochimilco sind nur ein paar Beispiele von ausgelassenen Highlights.
Wir gehen jetzt noch einmal von der Zona Rosa den Paseo de la Reforma herunter, um uns die Gloriettas genauer anzusehen. Die Glorietta des Cuauhtemoc liegt im ewigen Schatten von umgebenden Hochhäusern. An seinen Füßen sitzen Jaguare mit Federkronen. Die Bildtafeln zeigen, wie Cortez mit ihm Freundschaft schließt, um ihn dann später zu foltern, damit er die (nicht vorhandenen) Goldverstecke verrät. Cristobal Colon ist umgeben von vier Priestern, die sich um die Bekehrung der Indigenas (Indio ist ein Schimpfwort wie Nigger) verdient gemacht haben - einige waren aber schließlich doch so lernfähig, dass sie auch die Situation der Indigenas erkannten.
Dann fahren wir wieder mit einem Sammeltaxi zum Chapultepec, das heißt Heuschreckenhügel. Heuschrecken (Chapulti) sind eine Spezialität und werden manchmal von Verkäufern in Märkten angeboten. Hier war der Sommersitz des aztekischen Herrschers, der Palast des mexikanischen Kaisers und schließlich eine Militärakademie. Die Akademie wurde 1847 gegen die Amerikaner verteidigt. Dabei starben sechs junge Kadetten, die als Volkshelden, als die Niño Heroes, verehrt werden. Ein riesiges Denkmal erinnert an sie.
Im Park gibt es auch das Museum für moderne Kunst. Wir sind noch immer sehr früh da und müssen etwas auf die Öffnung warten. Ein Mann schiebt ein Fahrrad an uns vorbei, auf dessem Anhänger ein riesiger Eisklotz in der Sonne funkelt.
Das Museum enthält die Werke vieler der auch nach Weltmaßstäben bedeutenden mexikanischen Künstler wie Orozco, Rivera, Kahlo, O'Gorman und viele andere. Eine wirklich beeindruckende Leistung eines kriesengeschüttelten Entwicklungs-Landes. Im Garten des Museums finden sich große Skulpturen aus Stahl und Stein in einer netten Anlage. Hier kann man auch gemütlich sitzen, eine Limo schlürfen und seine Blicke über die Skulpturen gleiten lassen.
Zurück in die Innenstadt. Wir schlendern über den Zocalo, zur Kirche La Santissima, einem der bedeutendsten Beispiele des Churriguresken Stils. Dann zum Platz Santo Domingo mit der Kirche und dem Inquisitions-Haus. Der nahegelegene Platz Garibaldi ist der Treffplatz der Mariachi und derer, die es noch werden wollen. Wir essen mexikanisch an einer der Buden und hören einer Mariachi-Band zu, die aber Gott sei Dank einige Meter entfernt ihre ohrenbetäubende Kunst ausübt. Das Hauptpostamt ist auch ein beeindruckender Palast, er ist fast das Letzte, was wir von Mexiko Stadt sehen. |
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Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 10. Oktober 2009 um 18:39 Uhr |
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Tagebuch, Teil 2 - An der Golfküste |
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Geschrieben von: Mario Boller-Olfert
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Samstag, den 10. Oktober 2009 um 18:37 Uhr |
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Freitag, 10. November 2001 - Die Fahrt nach Papantla Am Morgen packen wir unsere Sachen zusammen, genießen noch einmal unser Luxus-Frühstück, der Hotelboy holt unser Auto, einladen und los. Wir finden natürlich nicht die geplante Straße, sondern fahren etwas chaotisch, aber schließlich finden wir eine Straße, die uns mit nur kleinem Umweg in die richtige Richtung bringt. Die Fahrt ist eher ereignislos, vorbei an eher gesichtslosen mexikanischen Städten. Hier und da halten wir an und blicken in die Landschaft.
Als wir uns der Küste nähern, ändert sich die Vegetation, alles wirkt feucht und dunkelgrünes Buschwerk umgibt die Straße. An einer Müllkippe können wir ein paar tolle Fotos von Geiern im Flug vor einem malerischen Tal machen.
Wir fahren direkt zum Zocalo in Papantla, denn dort soll unser Hotel liegen. Schon nach der dritten Umrundung sehen wir die unscheinbare Tür des Hotels Tajin zwischen einer Eisdiele und einer Drogerie. Wir fragen nach, ob ein Zimmer frei ist, bekommen eines zu sehen - es ist einfach, aber sieht ordentlich aus. Das Zimmer soll 30 Mark pro Nacht kosten. Der Hotelpage (mir fällt keine bessere Bezeichnung ein) hebt sich fast einen Bruch an unserem großen Samsonite und begleitet mich dann zu einem dreihundert Meter entfernten Parkplatz, der zum Hotel gehört.
Wir spazieren etwas auf dem schönen Zocalo herum und bestaunen das dutzende Meter lange moderne Relief unterhalb der Kirche voller Symbole der Erbauer von El Tajin.
Zurück im Hotel öffnen wir das Bad und es schlägt uns ein bestialischer Gestank entgegen. Das Bad sieht sauber aus, aber der Geruch ist unerträglich. Wir halten das Bad möglichst immer geschlossen und versuchen uns nur möglichst kurz dort aufzuhalten.
Samstag, 11. November 2000 - Nischen und Fliegende Menschen Die archäologische Stätte El Tajin ist nur wenige Kilometer entfernt. Wir werden sofort von Kindern umringt, die uns Wasserflaschen verkaufen wollen - irgendwie glaube ich, sie haben sie selbst am nächsten Bach gefüllt. Aber wir sind eingedeckt und deshalb sehr schlechte Kunden. Das auffallendste ist der 30 Meter hohe Stahlmast im Rondell am Eingang. Wir wissen: hier finden Vorführungen der Voladores statt. Wir fragen nach den Anfangszeiten und erfahren, dass um 11 Uhr vermutlich eine stattfinden wird.
Wir schauen uns das kleine Museum an. Die Säulen mit Reliefs sind die interessantesten Stücke. Dann gehen wir den Weg Richtung Ruinen, dessen Ränder sehr gepflegt sind und in dem vor allem Pflanzen stehen, die wir zuhause nur auf der Fensterbank halten können. Nett ist auch die Baumnymphe. Schließlich stehen wir auf einem großen Platz, der von vier Seiten von nicht sehr hohen, aber dafür sehr breiten Pyramiden umgeben ist - der Führer nennt es den Marktplatz. Und jede dieser Pyramiden ist mit hunderten von Nischen geschmückt. Wozu man Nischen gebaut hat, darüber streiten sich die Gelehrten weiter: Niederlegung von Opfergaben? Aufstellen von Räuchergefäßen? Oder nur Dekoration?
Wir gehen noch ein Stück weiter an einem mächtigen Baum vorbei zum Ballspielplatz. Dies ist wohl der berühmteste Ballspielplatz Mexikos, denn an den Enden und in der Mitte trägt er große Reliefs mit geheimnisvollen Szenen, die in ihrer ausgezeichneten Erhaltung und ihrer komplexen Komposition keine Parallele in Mexiko habe und an die nicht einmal die Maya-Reliefs heranreichen. Die meisten scheinen etwas mit dem Ballspiel zu tun zu haben, der Vorbereitung darauf und der Opferung eines Ballspielers danach. Auch der Pulque-Geist ist allgegenwärtig (Pulque ist ein bierartiges Agavengetränk). Die Szenen werden in unseren Führern ganz unterschiedlich interpretiert. Z.B. glaubt einer in einem Relief die Opferung von Blut aus einem Penis zu sehen und der andere hält dasselbe Bild für die Opferung von schlichtem Pulque.
Es ist nun Zeit für die Voladores. Wir begeben uns auf den Vorplatz beim Pfahl. Nach einiger Zeit kommt ein Flötenspieler, dessen Flöte auch noch eine kleine Trommel trägt und ihm folgen vier Männer in bunten Kostümen. Sie tanzen um den Pfahl. Alles geht sehr ernst, gemessen und feierlich zu, denn es handelt sich um ein uraltes Ritual. Dann ersteigt einer nach dem anderen das Gestell an der Spitze des Pfahls, die herunterhängenden Seile werden hochgezogen, mit langsamem Drehen des Gestells oben am Pfahl aufgewickelt und die Enden an den Füßen der Voladores befestigt. Nach einigem weiteren Flötenspiel, bei dem der waghalsige Flötenspieler auf der Spitze des Pfahls steht und einem kurzen Gebet lassen sich die Voladores nach hinten sinken und lösen sich vom Gestell. Mit langsamen Kreisen des Gestells und der Voladores um den Pfahl wickelt sich das Seil ab und die Voladores schweben dem Boden entgegen, bis Sie schließlich landen. Es war ein beeindruckendes Erlebnis ihnen zuzusehen.
Nach einer kleinen Trinkpause im Café gehen wir wieder zurück zu den Pyramiden. Die eigentlich Nischenpyramide , die man auf allen Bildern findet, ist sechs Stockwerke hoch und hat 365 Nischen, für jeden Tag des Jahres eine. Daneben gibt es eine weitere Nischenpyramide mit einer eigenartigen dreieckigen Stele. Schräg gegenüber liegt eine riesiger ummauerter Platz. Wenn man dann weiter hochsteigt, kommt man nach El Tajin Chico, wohl dem Palastbezirk. Hier ist Nischenverzierung variiert mit verschiedenen Füllungen, besonders Schneckenmustern. Es gibt auch einen eindeutig mehrstöckigen Bau und unter einem Schutzdach kann man sich erhaltene Stuckdekorationen ansehen.
Zurück in Papantla genießen wir die Atmosphäre des Zocalo und lassen den Tag langsam ausklingen.
Sonntag, 12. November 2000 - Zur Mission in Jalapa Unser kurzer Aufenthalt in Papantla ist beendet, denn die Stadt bietet keine weiteren Sehenswürdigkeiten. Ich gehe zum Hotelparkplatz. um das Auto zu holen. Direkt hinter meinem Auto steht ein riesiger Pickup. Ich sehe mich um, wo der Besitzer ist. Einer der dortigen Bauarbeiter kommt auf mich zu und gibt mir zu verstehen, dass der Besitzer eigentlich schon wieder da sein müßte. Aber - kein Problem - er hat den Schlüssel für den Pickup und ich kann ihn ja einfach beiseite fahren. Er kann es nicht, denn er hat ja keinen Führerschein. Ich sehe mir den Hof an: sehr eng. Ich sehe mir den Pickup an: Gasmotor, Lenkradschaltung. Eine Fehlbedienung und ich hänge an der Wand oder sitze auf irgendeinem Auto - nein, danke. Der Bauarbeiter läuft los, um den Besitzer zu holen. Ich laufe schnell zum Hotel, damit Nora, die auf den Koffern sitzt, weis, wo ich eigentlich bleibe. Zurück beim Parkplatz: Der Bauarbeiter hat den Besitzer nicht gefunden. Aber, oh, Glück, der Besitzer taucht auf, erzählt etwas von Katastrophen in der Familie und fährt seinen PickUp endlich weg.
Einen Teil des Weges nach Jalapa legen wir auf der Landstraße zurück und den anderen Teil auf der Quota, dass ist die kostenpflichtige Autobahn. Es kostet so etwa 1 Peso pro Kilometer, also etwa 25 Pfennig. Aber dafür hat man eine zwei- bis dreispurige Straße ganz für sich allein. Ansonsten keine besonderen Ereignisse. Gegen Mittag kommen wir in Jalapa an und suchen nach dem Hotel Mision Xalapa. Es erweist sich als eine burgartige Anlage. Das ansonsten moderne leuchtend rosa gestrichene Hotel steht auf einem zwanzig Meter hohen Sockel. Wir gehen zur Rezeption: Ja, es gibt noch Zimmer. Preis: DM 160,- Wir leisten uns diesen Luxus nach unserer Stinkkammer in Papantla.
Wir brechen sofort zu einem Spaziergang in die Innenstadt auf. Sie ist etwa 3 km entfernt. Auf dem kleinen grünen Zocalo ist wieder die Stadt auf ihrem Sonntagsausflug versammelt und bummelt durch Spielzeuge und Luftballons. Wir laufen etwas herum, machen einen Schaufensterbummel durch die geschäftigen Straßen und ruhen uns dann im Restaurant unseres Hotels aus.
Montag, 13. November 2000 - Olmeken und Öko Nach Jalapa kommt man des Antrhropologischen Museums wegen. Es ist ein moderner architektonisch sehr gut gestalteter Bau. Man steigt quasi von Ebene zu Ebene immer ein kleines Stückchen tiefer in die Geschichte der Golfregion. Zwischen den Sälen sind kleine überdachte Höfe mit tropischer Vegetation, in denen auch einige Museumsstücke ausgestellt sind. Es ist mindestens das zweitbeste Museum Mexikos - mir hat es sogar besser als das Nationalmuseum in Mexiko-Stadt gefallen. Die Atmosphäre ist aber etwas kühl zwischen den Wänden aus poliertem Granit.
Aber absolut überwältigend sind die Ausstellungsstücke. Sie stammen alle aus den vielen verschiedenen Kulturen der Golfregion. Natürlich sind die Olmeken mit vielen bedeutenden Statuen vertreten. Aber auch die wichtige Remojadas-Kultur mit Ton-Skulpturen wie dem hockenden Tlaloc kann sich mit Werken der Griechen durchaus messen. Beeindruckend sind auch die singenden lebensgroßen Ton-Skulpturen der Göttin der gestorbenen Mütter. Weltberühmt auch die Lachenden Gesichter, dreieckigen Kopfskulpturen, die man in Gräbern gefunden hat.
In unserem Führer haben wir gelesen, dass der Parque Ecologico einen Besuch absolut wert sein soll. Er ist gar nicht weit vom Museum, auf der anderen Seite der Hauptstraße. Der Weg umkreist einen Hügel und schraubt sich dabei immer höher. Die ganze Anlage sieht eher nach einem natürlichen Stückchen Wald als nach einer Parkanlage aus. Was wir hier an Schmetterlingen, Baumfarnen, prächtig blühenden Bäumen und exotischen Blumen gesehen haben, ist uns in dieser Konzentration nicht wieder begegnet.
Dienstag 14. November 2000 - El Lencero und Botanischer Garten Heute meint es das Wetter nicht gut mit uns. Der Regen beginnt am Morgen und begleitet uns mit seinem mal stärkerem, mal schwächerem Nieseln den ganzen Tag. Dabei ist es unangenehm frisch.
Ein Stück zurück in Richtung Autopista weist ein Schild rechts zur Hacienda El Lencero. Ein Weggefährte von Cortez hat hier riesige Ländereien übertragen bekommen, die er mit vielen einheimischen Sklaven bewirtschaftet hat. Heute kann man das alte Haupthaus und das neue Haupthaus des Hofes, die Kirche und den Garten besichtigen. So bekommt man einen Eindruck, wie reiche Großgrundbesitzer gelebt haben.
Einem fällt auf, dass es dutzende von Schlafräumen gibt. Das eigentliche Leben hat wohl mehr außen auf den überdachten Terassen stattgefunden. Es gibt auch ein komfortables Badezimmer, ein Esszimmer für die Familie, ein kleineres für die Hausbediensteten. Sehr eindrucksvoll ist das riesige Arbeitszimmer des Besitzers. Das alte Haupthaus ist heute als Restaurant mit nur spärlichem Angebot eingerichtet. Die Kirche ist groß genug für eine Kleinstadt.
Der botanische Garten ist ein riesiges Gelände. Hier ist ein Arboretum mit hunderten von Bäumen und Büschen angelegt. Dabei stellen wir an Hand der Beschreibungen fest, dass fast alle besonders schön blühenden Bäume in Mexiko ursprünglich aus Afrika stammen. Besonders gefallen hat uns der 20 Meter hohe Bambus. Auch ein kleines Feuchtbiotop ist angelegt.
Wäre es nicht so saukalt und nass gewesen, hätten wir uns auch den urwaldartigen Teil des Botanischen Gartens angesehen. Aber so haben wir uns am Nachmittag in unser Luxus-Hotel verzogen und uns mit einem guten Buch im Bett gelümmelt. Sonst wäre vielleicht auch ein Ausflug nach Veracruz angesagt gewesen.
Mittwoch, 15. November 2000 - Durch Olmekenland nach Villahermosa Der Weg nach Villahermosa führt uns an der Golfküste entlang. Immer wieder haben wir Blicke auf den Golf von Mexiko. Alle paar hundert Meter werden Habañas, also kleine Ferienhäuschen angeboten. Doch wir interessieren uns mehr für die Kultur des Landes als für seine sicherlich schönen Sandstrände. Nach einiger Zeit wechseln wir auf die Autopista und kommen schnell bis Villahermosa voran, wo wir am Nachmittag ankommen. Ein Hotel ist schnell gefunden und wir ziehen in ein gutes Mittelklassehotel in der Fußgängerzone.
Nach zwei Wochen Reise geht uns langsam die saubere Kleidung aus. Das Hotel bietet einen Wäscheservice, der für jede Socke einen Peso haben will - da schlägt mein Geiz durch. Aber zum Glück sind in unserem Reiseführer zwei Wäschereien verzeichnet. Die erste gibt es nicht mehr. Nach einigem Suchen finden wir heraus, dass in der Zweiten jetzt eine Drogerie ist. Nach weiterem Herumfragen, finden wir eine Wäscherei, die nur wenige Schritte neben unserem Hotel ist. Ein Teil wird gebügelt, der andere Teil wird nach Kilo abgerechnet. Unser Riesen-Wäscheberg kostet uns nur 20 Mark.
Die Zeit reicht noch für einen kleinen Stadtbummel. Der Hauptplatz ist ganz nett. Im Zentrum des städtischen Lebens steht eine Brücke über den Fluß. Einige Restaurants sehen interessant aus, aber wir sind gerade nicht in der Stimmung für ein vornehmes Abendmal.
Donnerstag, 16. November 2000 - La Venta und Cicom Wir fahren quer durch die Stadt zum Park La Venta. Der Park ist eine künstliche Anlage, in dem olmekische Altertümer aus der 50 km entfernten Olmeken-Siedlung La Venta ausgestellt sind. Der erste Teil ist ein Zoo mit hauptsächlich einheimischen Tieren. Ich würde furchtbar gern die Affen fotografieren, aber sie flitzen so schnell im Schatten der Bäume hin und her, dass ich zuhause alle Bilder in den Papierkorb werfe. Aber ein paar nette Krokodile kann ich auf Zelluloid bannen.
Ein riesiger Ceiba-Baum markiert den Übergang vom Zoo zum Olmeken-Park. Hier steht auch ein kleiner Pavillon mit einer Menge Erklärungen zur Kultur der Olmeken, einem Modell der Siedlung La Venta und einer Reihe guter Replikate olmekischer Kleinkunst. Den Park durchwandert man auf einem verschlungenen, aber unverzweigten Weg durch tropischen Schein-Urwald. Dazwischen stehen dann große Olmeken-Köpfe ein Grab aus Basalt-Säulen, große Grünstein-Depots in Form von Jaguar-Masken und olmekische Altäre mit Reliefs, die babyhafte Mischwesen zwischen Mensch und Jaguar darstellen. In einem kleinen Käfig liegt ein lebendes Exemplar dieses für die Olmeken so heiligen und bedeutungsvollen Tieres.
Am Nachmittag fahren wir zum Cicom. Dies ist ein großes Kulturzentrum mit Theater und Bibliothek und eben einem großen Museum. Das Museum macht einen etwas altertümlichen Eindruck mit seinen Vitrinen aus dunklem Holz und seiner schummrigen Beleuchtung. Man versucht hier einen Überblick über alle mesoamerikanischen Kulturen alter und neuerer Zeit zu geben. Dabei werden auch Replikate ausgestellt, wo die Sammlung des Museums an Originalstücken nicht ausreicht. Eigentlich keine schlechte Idee, aber wir waren durch die Fülle an sehr unterschiedlichen Stücken überfordert und haben das Museum nach kurzer Zeit wieder verlassen. Auch die schwüle Luft hatte ihren Anteil an meiner schlechten Kondition. |
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Tagebuch, Teil 3 - Durch Chiapas |
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Geschrieben von: Mario Boller-Olfert
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Samstag, den 10. Oktober 2009 um 18:39 Uhr |
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Freitag, 17. November 2000 - Die Wasserfälle Die Fahrt nach Palenque ist nur kurz. An der Abzweigung nach Palenque ist ein Militärposten, der die vorbeikommenden Autos kontrolliert - quasi das Begrüßungskomitee beim Betreten von Chiapas. Wir werden aussortiert und ich muss den Kofferraum öffnen. Der Soldat spürt etwas verdächtig Hartes in der Reisetasche und fordert mich auf, sie zu öffnen. Es ist mein Addidas-Sportschuh. "Shoe! Shoe!" ruft begeistert der Soldat eines der wenigen englischen Worte, die er kennt und lacht freudig - ich nicke und lache zurück. Wir dürfen weiter fahren. Später dachte ich, ich hätte auch als Anspielung sagen können "Si, soy Zapatista", denn Zapata ist auf spanisch der Schuh und die Aufständischen nennen sich nach Emilio Zapata Zapatistas. Aber zum Glück habe ich es nicht getan - wer weis, ob mein Humor angekommen wäre.
In Palenque fahren wir zum Zocalo und nehmen das empfohlene kleine Hotel. Das Zimmer mußte ich für die zwei Nächte im Voraus bezahlen. Es ist noch früh am Tage und so entschließen wir uns heute gleich zu den Wasserfällen zu fahren, zuerst zu dem etwas weiter entfernten Agua-Azul (das heißt Blaues Wasser).
Die Fahrt geht auf gewundenen Straßen immer höher hinauf. An einer Stelle halten wir und lassen die Landschaft auf uns wirken. Nach ein paar Kilometern kommt rechts eine Abzweigung in ein Dorf und gleich dahinter halten Kinder ein Seil quer über die Straße straff gespannt und wir halten notgedrungen. Ein kleines Mädchen kommt mit einer Konservenbüchse. Sie weist auf ein Marienbild, das auf einem Tisch neben der Straße aufgestellt ist, hält uns die Dose hin und sagt eindringlich "Por Maria". Wir finden, sie haben sich wirklich angestrengt und anerkennen das durch Zahlung von vier Peso in die Blechbüchse.
Es geht vorbei an Misol-Ha und als wir schon glauben, wir haben es übersehen, kommt die Abzweigung nach Agua-Azul. Für das Fahren auf das Gelände wir Eintritt erhoben - man muss eben sehen, das man etwas macht aus dem, was man hat. Wir parken das Auto und ein kleiner Junge kommt und will kassieren, um auf mein Auto aufzupassen, aber ich habe heute schon genug Entwicklungshilfe geleistet.
Das Wasser hat eine wirklich unglaublich blaue Farbe. An den ruhigeren Stellen wird gebadet, weiter oben soll man den Stromschnellen, Wirbeln und Wasserfällen eher Respekt zollen, denn jedes Jahr ertrinken hier einige Badegäste. Wir wandern langsam an den vielen brodelnden Wassern entlang und fotografieren begeistert. Ein Wasserfall folgt auf den anderen und gewaltige Wassermassen stürzen die einzelnen Stufen mit ohrenbetäubendem Getöse herunter. Unterhalb der obersten Stufe betrachten wir die Szenerie aus einem kleinen Café. Dann schlendern wir gemächlich wieder zurück.
Ein Stück zurück biegen wir nach Misol-Ha ein. Ein kleines Stück Fußweg bringt uns zu einer Szenerie, die von Agua Azul total verschieden ist. Ein schmaler Strahl Wasser stürzt in einem Zug 50 Meter herunter und bricht das Licht zu einem Feuerwerk von Blitzen. Das Ganze ist eingerahmt von einem sanften Grün, das im Gegenlicht der tiefstehenden Sonne aufleuchtet. Wir gehen hinunter zum Fuß des Wasserfalls und können nun hinter ihm hindurchgehen und die Welt durch den Wasserfall hindurch betrachten - ein wunderbares Erlebnis. Mit den bereitstehenden Führern über die glitschigen Steine zur Quellhöhle hinüberzuklettern sparen wir uns - schöner als hier kann es dort nicht sein.
Abends im Hotel ertönt plötzlich ein lautes Gebrüll. Was ist das??? Nach einigem Suchen, sehen wir, dass gegenüber von uns ein Restaurant ist. Dort ist ein Glitzer-Mariachi-Sänger mit Tonband-Background, der seine mexikanischen Schlager trällert. Unterstützt wird er dabei durch eine kräftige Verstärkeranlage, die für das kleine Lokal sicherlich überflüssig wäre. Sie ist es aber nicht, denn sein Gesang wird auf zwei mannshohe Boxen übertragen, die auf der Straße vor dem Restaurant stehen und direkt auf uns gerichtet sind. Es ist unerträglich und wir überlegen, was wir tun sollen. Gleich ausziehen und in der Dunkelheit nach einem anderen Hotel suchen? Aushalten? Ich gehe schließlich herunter an die Hotelrezeption und frage, wie lange das dauern soll und ob dieser Eleve morgen auch wieder auftritt. Es soll um 11:00 vorbei sein und, ja, morgen kommt er wieder.
Ich muss zugeben, er hat nicht gelogen, 11:15 ist das Getöse aus und wir freuen uns auf einen erholsamen Schlaf. Da springt die Klimaanlage des Zimmers über uns an. Die Klimaanlagen sind Metallkästen, die nach außen ragen. Nur ist wohl das Wasserablaufrohr nicht mehr vorhanden und das Wasser von oben tropft mit einem lauten Bum - Bum - Bum auf unseren Kasten. Diese Nacht schlafe ich nur in den Pausen, in denen sich die Klimaanlage abschaltet.
Samstag, 18. November 2000 - Die Maya-Metropole Palenque
Gleich am Morgen noch vor dem Frühstück fahren wir in einen Außenbezirk von Palenque, in dem auch einige Hotels sind und nehmen dort ein Zimmer. Wie vereinbart bekomme ich meine Vorauszahlung im ersten Hotel wieder erstattet und wir transportieren unser Gepäck ins neue Hotel.
Dann fahren wir hinüber zur archäologischen Stätte. Erst wollen wir das Museum ansehen, aber wir entscheiden uns um, denn schon so früh am Morgen beginnen wir die schwüle Hitze zu spüren. Vor dem Eingang herrscht ein großes Gedränge, schon mehrere Reisebusse haben ihre Fracht entladen. Ich kaufe Eintrittskarten und wir betreten das Gelände.
Wir kommen an drei nur mäßig interessante Pyramiden vorbei und dann folgt die beeindruckende Pyramide der Inschriften, benannt nach den Texten im noch gut erhaltenen Tempel auf der Pyramide. Eines Tages entdeckte ein Archäologe den Eingang zu einem Gang oben im Tempel mit einer steil nach unten führenden Treppe. Er räumte das Geröll aus dem Gang und fand schließlich unterhalb des Erdniveaus eine Grabkammer. Unter einer schweren Grabplatte lag in einem Sarkophag ein Maya-Herrscher mit Namen Pakal der Große. Diese Pyramide ist der einzige in Mittelamerika bekannte Fall, dass eine Pyramide direkt als Grabmal errichtet wurde. Leider ist diese Pyramide gesperrt, sodass man nicht hinaufsteigen, geschweige denn in die Grabkammer hinuntersteigen kann.
Gleich schräg gegenüber liegt der Palast mit seinem markanten Turm. Am Eingang findet man schöne, wenn auch etwas verwitterte Reliefs. Um die Höfe des Palastes gruppieren sich Gebäude mit schmalen Räumen und gewölbten Decken. Über eine Treppe steigt man hinunter in den unteren Palast, einem Gewirr von dunklen Gängen, der vielleicht der Vorgängerbau war.
Über einen Fluß und einen Hügel hinauf gelangt man zu einem besonderen Platz, es ist der Platz der Kreuzgruppe. Hier gruppieren sich vier Pyramiden, die jede ihre Besonderheit hat. In den Tempeln auf den zwei dem Palast zugewandten Pyramiden finden sich schöne Maya-Reliefs. Der Tempel an der Seite ist ein gewaltiger Bau, auf dem sich auch noch Teile des früher riesigen Dachkammes erhalten haben, mit denen alle Tempel in Palenque gekrönt waren. Der Tempel des Blattkreuzes ist mit Wanddurchbrüchen in dieser Form durchbrochen. Nach der Kletterei in der schwülen Hitze bin ich ziemlich fertig. Ich verschnaufte etwas im Schatten und trank den Rest unseres Wassers.
Wir gehen noch hinüber zur Pyramiden des Grafen. Sie wurde von einem schrulligen Grafen im vorigen Jahrhundert eine zeitlang als Wohnung genutzt. Dann genügt es uns und wir verlassen das märchenhaft schöne und höllisch heiße Palenque.
Noch eine kleine Trinkpause im Museumsrestaurant und ich fühle mich wieder fähig zu neuen Taten. Das Museum ist angenehm klimatisiert. Das Modell des Palastes gibt einen guten Eindruck, wie er wirklich einmal aussah. Besonders beeindrucken sind die hohen Räuchergefäße mit den Masken von Göttern, von denen das Museum über eine große Anzahl verfügt. Die Grabplatte von Pakal ist leider nicht gut anzusehen, man bräuchte ein Gerüst oder etwas ähnliches um sie von oben zu betrachten.
Unser Tatendrang ist gestillt. Wir essen etwas in einem einfachen kleinen Restaurant nahe unseres ersten Hotels und machen es uns dann in unserem neuen Hotel gemütlich. Mit der guten Klimaanlage des Zimmers läßt es sich aushalten, aber zur Nacht schalten wir sie ab. Eine Familie zieht ein und durch die dünne Wand bekommen wir mit, dass die Kinder in das Zimmer neben uns einziehen. Sie drehen den Fernseher ordentlich auf und schlafen dabei ein. Mit Hilfe unserer Klimaanlage wecken wir sie, sodass sie den Kasten abschalten können. Danach habe ich noch nie vorher die Ruhe in der Nacht so bewusst wahrgenommen.
Sonntag, 19. November 2000 - Durchs wilde Chiapas nach San Christobal In aller Frühe brechen wir auf, doch es gibt Frühaufsteher, die schon vor uns auf der Straße sind. Eine "Bande" von halbwüchsigen Jungs sperrt die Straße nahe der Abzweigung nach Yaxchilan. Sie geben vor, für eine Bildungsorganisation zu sammeln. Wir geben ein paar Pesos und man lässt uns passieren.
Beim Tisch mit der Jungfrau Maria ist aber noch nichts los. Ein Stück weiter hängen kilometerlang Kleider zum Verkauf am Straßenrand - viele schön bestickt. Die Landschaft ist tropisch, wir sehen Bananenstauden und auch Kaffeeplantagen.
Auf dieser Strecke besonders hoch, besonders häufig und besonders schlecht gekennzeichnet, sind die in ganz Mexiko verbreiteten "Topes", das sind einzelne auf der Straße angebrachte Bodenwellen. Sie sollen im Interesse der Dorfbewohner die Autos zu einer angemessenen Geschwindigkeit zwingen - was auch ganz gut klappt. Je nach Form und Höhe kann man sie manchmal flott mit 50 km/h nehmen, manchmal setzt das Auto aber auch bei Schneckentempo noch auf sie auf. Besonders LKW und Busse werden bei den Bodenwellen sehr langsam, sodass man häufig an diesen Stellen todesmutig die Gegenfahrbahn nutzt, um sie hinter sich zu lassen. In der Regel sind die Wellen mit gelber Farbe kenntlich gemacht und werden durch Schilder angekündigt, aber hier sind sie teilweise schwarz, ohne Ankündigung und außerhalb jeden Dorfes bei einer einsamen versteckt liegenden Hütte.
Zeitweise kommen wir in noch höhere Regionen, sodass nur noch Nadelgehölz die Straße säumt und Nebelschwaden über die Bergkämme ziehen.
In San Cristobal de las Casas angekommen, suchen wir das kleine Hotel im kolonialem Stil, dass wir uns ausgesucht haben. Es liegt in einer typischen Straße, umgeben von lauter einstöckigen Häusern. Die Innenhöfe sind voller Pflanzen. Das Zimmer ist sehr dunkel und riecht etwas rauchig, aber es ist ganz brauchbar.
Wir lassen unser Auto stehen und wandern Richtung Stadtmitte. Die Arkaden am Zocalo sind sehr schön. Dort steht auch die Casa de Mazariega, ein großes Gebäude, das noch aus der Zeit von Cortes stammt und heute ebenfalls ein Hotel beherbergt. Die Kirche ist ganz nett von außen und innen, aber kein überragendes Werk. Auf dem Platz vor der Kirche hat man eine Weihnachtsszene mit einem riesigen Plastik-Weihnachtsbaum aufgestellt.
Wir wandern weiter die Straße nordwärts an kolonialen Häusern vorbei bis zu einer quietschblauen Kirche mit einem Standbild von Bartholomae de las Casas, einem Missionar, der erst die Indigenas foltern lies und dann ihre Situation erkannte und als ihr großer Wohltäter für ihre Rechte stritt.
Wir schlagen noch einen Bogen durch weitere Straßen. Zwei kleine Mädchen halten uns an, wir sollen unsere Namen auf ihre Zettel schreiben. Dann erzählen sie uns, sie würden Geld für die Schule sammeln. Meine Frau gibt dem einen Mädchen ein 10 Peso-Stück und sagt ihnen, sie sollen es sich teilen. Das andere Mädchen gebärdet sich wütend und beschimpft meine Frau als "Mala", also schlecht.
Montag, 20. November 2000 - Indigenas Am Morgen machen wir uns auf zur Kirche Santo Domingo. Um sie herum soll ein malerischer Indianermarkt stattfinden. Zur sehr schönen Kirche hätten wir besser am Abend gehen sollen - morgens hat man das Licht gegen sich.
Durch die große Menge an Touristen, die hauptsächlich billige Souvenirs suchen, ist das Angebot ziemlich verdorben - lauter mehr oder weniger geschmackvoller Nippes und überall die gleichen Kissenbezüge dominieren die Stände. Wir kaufen auch ein wenig von dem Zeug, Teile die wir noch originell finden, wie mit einer Kunststoffmasse verzierte Flaschen und bestickte Taschen. Wir warten noch, bis die Kooperative öffnet. Dies ist ein Laden, der qualitätsvolle Handarbeiten von Indigenas zu einem fairen Preis anbietet. Wir kaufen hier ein Tuch, das mit stilisierten Fröschen bestickt ist.
Gegenüber ist der Gemüsemarkt der Einheimischen und hier bekommt man einen Wimpernschlag des wirklichen Lebens der Indigenas zu sehen. Viele mit Bergen von Gemüsen gefüllte Stände und tausende von einkaufenden Indigenas.
Die Fahrt nach Tuxtla Guttierez verläuft nicht weiter aufregend. Die Landschaft gleicht der auf der Fahrt nach San Cristobal.
Das Zentrum von Tuxtla ist von Bauarbeiten durchzogen, die die Stadt mit viel Aufwand kaum ein Stück angenehmer machen. Die Stadt wirkt sehr nüchtern und hat keine einzige architektonisch schöne Ecke. Unser Hotel hat sechs Stockwerke und wird gerade auch zur Hälfte totalrenoviert - ohne dass es für uns zu den spürbaren Belästigungen kommt.
Es ist noch relativ früh am Nachmittag und wir beschließen noch den Panoramaweg am Canon El Sumidero abzufahren. Auf einer guten Straße fährt man von Parkplatz zu Parkplatz. An einigen kann man direkt in die Schlucht blicken, an anderen muss man ein bis zwei Kilometer laufen, um zum eigentlichen Aussichtspunkt zu kommen. Aber an allen Aussichtspunkten ist der Blick grandios. Die Felsen fallen senkrecht hunderte von Metern ab, unten sind winzige Boote zu sehen, an den Felsen klammern sich Pflanzen fest. Der Ausflug war beeindruckend, aber leider zieht der Himmel immer mehr zu und an der letzten Station beginnt es zu regnen. In der Dämmerung fahren wir ins Hotel zurück.
Dienstag, 21. November 2000 - Die Tiere Mexikos in Tuxtla Guttierez Der Himmel ist bedeckt, aber es es gibt immer wieder ein paar helle Stellen und es regnet nicht.
Wir folgen den Schildern zum Zoo. Es geht eine ansteigende Straße hinauf. Wir kommen an einer Baustelle vorbei und zu einer Kreuzung. Wohin? Wir fahren rechts und kommen an eine Schranke. Davor steht eine schöne Frau in Soldatenuniform, das Maschinengewehr lässig über der Schulter. Dies ist eine Kaserne oder so etwas und der Zoo liegt dahinten. Wir wenden, kommen an die Kreuzung, fahren rechts und kommen den Hügel hinunter zu den ersten Häusern. Ein paar Leute auf der Straße schicken uns wieder zurück. Wir fahren ganz langsam den Wald entlang, an der Kreuzung rechts, sehen aber keinen Eingang. Da, ist da nicht eine Lücke? Tatsächlich eine unscheinbare Tür führt hinein, Kasse gibt es keine, Eintritt frei.
Der Zoo zeigt ausschließlich Tiere aus Mexiko - für uns also sehr exotisch. Überall laufen große interessante Vögel zwischen den Büschen - nur zum fotografieren ist es unter den Bäumen trotz 400 ASA-Film viel zu dunkel. Gleiches gilt für die meisten Gehege, wie z.B. bei den Kragenschweinen. Auch Krokodile, Kojoten, Jaguare, Tukane und vieles andere kann man beobachten. Für die Streifenhörnchen kaufe ich eine Tüte Erdnüsse und sie sind begeistert. Weil wir den Zoo mit seinen sehr großen Gehegen so gut fanden, landen auch einige Pesos im Spendenkasten.
Mittwoch, 22. November 2000 - El Sumidero Heute wollen wir uns auf das Wasser des Canyons Sumidero begeben. Eine der möglichen Zusteige-Häfen ist in Chiapa del Corso. Wir fahren über die große Brücke und parken in der Stadt. Wahrzeichen der Stadt ist der gewaltige Pavillon in der Mitte des Zocalo. Er soll in seiner eigenartigen Form der spanischen Königskrone nachempfunden sein. Wir wechseln einige Traveller-Schecks ein - eine Prozedur, die eine halbe Stunde dauert und hier horrende Gebühren kostet.
Am Hafen angekommen, erzählt man uns erst, wir könnten ein eigenes Boot für 200 Mark mieten - muss nicht sein. Es gibt auch schon 4 Leute, die fahren wollen. Bei 12 Leuten fährt ein Sammelboot. Wir warten eine viertel Stunde und entschließen uns dann, auch beim Anlegesteg an der Brücke nachzusehen. Dort fehlen nur noch zwei Leute und wir warten eine halbe Stunde, dann geht es los.
Der Sumidero war früher ein wildes Wasser. Dann wurde der Staudamm gebaut und jetzt ist es ein mehrere Kilometer langer, 20 Meter breiter ruhiger See. Kleine Motorboote fahren von der Brücke bis zum Staudamm und zurück. Kleine Schwimmwestlein dienen der Beruhigung der Nerven, werden im Ernstfall aber nur eingeschränkt nützen - ein Bewusstloser z.B. wird jämmerlich ersaufen.
Die Fahrt ist ein einmaliges Erlebnis. Die Felswände steigen senkrecht mehrere hundert Meter hoch. Überall wachsen exotische Pflanzen: Bäume, Büsche, Kakteen, Bromelien. Hier und da sitzen Affen auf den Bäumen. Reiher, Kormorane, Pelikane und Geier bevölkern Wasser und Luft.
Der erste Halt ist eine Höhle, deren Tropfsteinbildungen wir Jesus aussehen sollen und die teilweise leicht farbig sind. In der Höhle ist ein Altar in einer Nische, der jeden Tag mit frischen Blumen versorgt wird.
Der Weihnachtsbaum, so wird eine Kalksteinbildung genannt, der mit grünem Moos überwachsen ist. Von oben tröpelt Wasser herab. Ich fotografiere fast gegen die Sonne. Der Bootsführer will helfen und schattet mir die Sonne mit der Hand ab - Leider so, dass auch seine Hand im Bild ist.
Beim Staudamm ist eine gigantomanische Revolutionsstatue errichtet. Hier wird eine Menge Strom für diesen Teil Mexikos produziert. Das Boot dreht und mit erhöhter Geschwindigkeit geht es zurück. Es wird um ein großzügiges Trinkgeld gebeten und wir honorieren die schöne Bootsfahrt und sein geduldiges Warten auf unsere Fotografiererei.
Donnerstag, 23. November 2000 - It's a long way to Oaxaca
Jetzt steht uns der wohl anstrengendste Tag der Reise bevor, denn mehr als zehn Stunden Fahrt erwarten uns. Die Fahrt führt uns erst aus mehr als 2000 Metern Höhe aus dem Hochland von Chiapas hinunter auf Null Meter am Golf von Tehuantepec, gleichzeitig der schmalsten Stelle von Mexiko, und dann wieder hinauf auf 2000 Meter Höhe in die Zentraltäler von Mexiko. Noch nicht mitgerechnet ist dabei das chaotische Auf und Ab währenddessen.
Die Landschaft ist dementsprechend abwechslungsreich. Anfangs gibt es noch Wälder, dann kommen große Ebenen und Steppenteile, die an Ostafrika erinnern. Lieblichen Stauseen mit Maisfeldern und Palmen folgen die trockenen wüstenhaften Gebiete. Zum großen Teil ist Straße ein Abschnitt der Panemrikana, die von Alaska bis Feuerland reicht.
Vorbei an großen Plantagen von Agaven überqueren wir einen letzten Höhenrücken und kommen auf die Hochebene von Oaxaca.
Angekommen in Oaxaca wollen wir uns wieder etwas Luxus gönnen und fahren das Fortín Plaza an, einen riesigen Hotelbau. Die Oaxaca-Platte im Restaurant des Hotels ist sehr schmackhaft und besteht aus vielen typischen Happen. Dabei genießen wir den Blick auf die Stadt. |
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